J.B. Filz (Wien)

(Copyright Parfümerie Filz)
(Copyright Parfümerie Filz)

Am Graben 13 in Wien befindet sich das kleine Geschäft der traditionsreichen Parfümerie J.B. Filz, das Duft G’wölb. Im Inneren befinden

sich historische Holzschränke, die vom Fussboden bis zur Decke reichen, alle voll mit Kosmetik und Parfums. Der Doppeladler, der an der Wand hängt und von den Büsten von Sisi und Franz flankiert ist, lässt zudem keinen Zweifel offen: Man befindet sich im Geschäft eines ehemaligen k.u.k. Hoflieferanten.

 

1809 gegründet überlebt das Geschäft die Wirren der Geschichte. Bald exportiert man die Produkte, die man selbst anrührt, auch ins Ausland und 1872 wird der damalige Inhaber zum k.u.k. Hofparfumeur ernannt. Das Geschäft zieht die Wiener Gesellschaft wie magisch an und gerne gibt man sich dort ein Stelldichein, weiss man doch genau, dass man dort das Beste aus der grossen weiten Welt erhalten kann. Noch heute ist das Geschäft in Familienbesitz und die 7. Generation der Familie Filz leitet nun die Geschicke der Parfumerie. Somit ist die Parfumerie Filz mit über 200 Jahren nicht nur die älteste

Parfumerie Wiens, sondern auch die, welche sich am längsten in Familienbesitz befindet.

 

Das Sortiment an Parfums umfasst Klassiker und Nischendüfte, ist gut überschaubar, aber doch sehr individuell, sodass einem dort der Einstieg in die

Welt der Nischendüfte leichtgemacht wird. Zudem herrscht dort eine ganz eigene Wohnfühlatmosphäre, die es für das Finden des richtigen Parfums auch braucht.

 

Besonders charmant finde ich es, dass auch zwei Duftwässerchen angeboten werden, die nach den alten Originalrezepten angefertigt wurden.

 

Eau de Lavande

(Copyright Parfümerie Filz)
(Copyright Parfümerie Filz)

Das klassische Lavendelwasser ist vor allem durch Heimito von Doderers Roman «Die Strudelhofstiege» berühmt. Die Rezeptur stammt aus 1892, doch es

wurde im Jahr 2009 anlässlich des 200 Jahre Jubiläums der Parfumerie neu aufgelegt. Egal, ob es sich wirklich um die Originalrezeptur von damals

handelt, oder nicht. Es ist einfach grossartig, solch ein Stück Geschichte riechen zu dürfen. Wenn man von einem Parfum in einem Buch riecht, dann will

man es als Duftliebhaberin einfach immer gleich riechen. Und dank dieser Neuauflage ist einem dies ermöglicht worden.

 

Die Komposition ist eigentlich relativ simpel – drei verschiedene Lavendelarten mit einem Hauch von Rose. Ob es sich wirklich um drei verschiedene Lavendelarten handelt, kann ich nicht sagen. So ein differenziertes Riechen ist mir nicht möglich. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass durch diesen Lavendelakkord so ziemlich alle Facetten, die Lavendel haben kann, abgedeckt werden. Von schön sanft-cremig bis hin zu dezent krautig werden

alle Aspekte wiedergegeben, die Lavendel aufweisen kann. Und mit einem Hauch Rose ist er natürlich noch viel, viel schöner.

 

Das ideale Parfum, um davon abends einen Hauch auf das Kopfkissen zu sprühen und dann gut einzuschlafen.

 

Wiener Lieblingsduft

Noch deutlich älter, nämlich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammend, ist der Wiener Lieblingsduft. Darf ich ehrlich sein? Wenn man als Wienerin im Ausland lebt, findet man Kitsch plötzlich gar nicht mehr so schlecht. Und da wäre der Name alleine schon Grund genug, den Duft zu kaufen. Glücklicherweise riecht er noch dazu wirklich gut und ich kann gut nachvollziehen, warum der zu früheren Zeiten ein Exportschlager war.

 

Eine zitrisch-frische, schön fruchtige Note und dann ein ganz, ganz feines Blumenbouquet. Auf jeden Fall sind Veilchen dabei. Kein Blumengesteck, auch kein Blumenstrauss, nur ein Blumensträusschen. Herrlich romantisch und auch ein wenig altmodisch in einem ganz und gar positiven Sinne. Ich sehe vor mir den jugendlichen Verehrer aus früherer Zeit, der seiner Angebeteten ein paar selbstgepflückte Veilchen zukommen lässt, die diese freudig empfängt und sie ganz sorgfältig presst, damit sie nur ja nicht verwelken und sie sie immer bei sich haben kann.

 

Diese Romantik verbunden mit dem Gefühl von Erfrischung, welches man in Wien etwa während einer Ballnacht gut brauchen kann, und beides so schön dezent und unaufdringlich. Passend für Wienerlebnisse aller Art. Macht weder die Pferde bei einer Fiakerfahrt scheu noch wird es den Tanzpartner stören. Vielmehr verbreitet es die Stimmung von Frühling und ersten Sonnenstrahlen, ganz egal, welche Jahreszeit und welches Wetter tatsächlich vorherrscht.