Andy Tauer

Eigentlich ein Chemiker. Ein Nischenparfumeur, der sich die Bezeichnung "Nische" wirklich verdient hat. Und eine Person, die trotz der Lobeshymne von Luca Turin immer noch auf dem Boden geblieben ist. Vor allem aber eine ganz und gar sympathische und authentische Person, mit welcher man gut plaudern kann.

 

Da dies viele unserer Leser interessieren wird, beginnen wir mit einer Frage, die man als Schweizer wohl oft gestellt bekommt: Wo bekommt man die beste Schokolade in Zürich?

 Die beste Schokolade bekommt man ohne Zweifel bei mir im Quartier. Artisanal, mit Liebe hergestellt. Der Laden heisst Schoggi König. Immer wenn ich auf Reisen gehe, kaufe ich dort Trüffel (es gibt auch eine lokale Spezialität mit Marc vom Kirchensteg, das ist Marc der von Trauben aus dem Quartier stammt) und immer fragt man mich: "Wohin geht die Reise?"

 

Um noch kurz bei Zürich zu bleiben: Welches ist Dein liebster Ort in Zürich?

Nun, ich muss es gestehen: Ich bin nicht richtig vernarrt in Zürich. Es ist nicht eigentlich meine Wahlheimat, sondern hat sich so ergeben. Zürich hat einige schöne Ecken, aber am liebsten bin ich wohl auf meinem Sitzplatz, vor dem Haus, wo zur Zeit die Tomaten in alten Ethanolkübeln wachsen. Da fühle ich mich wohl.

 

Das Geschäft eines befreundeten Buchhändlers, für welchen Du ein erstes Parfum entwickelt hast, befindet sich auch hier. Was bedeuten Dir eigentlich Bücher?

Bücher..... hmmm. Ich bin da total unromantisch. Ich kaufe je länger je weniger physische Bücher, sondern e-Bücher. Die wenigen hard copies , die ich kaufe, die lese ich und dann gehen sie ins Altpapier. Ausnahmen sind Zeichnungsbücher, oder Bücher, die von Bildern leben. Vor etwa 10 Jahren wurde mir klar, dass ich all die Bücher, die ich bis dahin angesammelt

habe, nie wieder lesen würde. Also habe ich die meisten zum Recycling gegeben. Mit einigen Ausnahmen. Das sind Bücher, die ich einmal wieder Hand nehmen möchte: So finden sich denn in meinem Gestell unter anderem: Die Bibel, Brave New World von Huxley, einige Bücher von Freud, Oscar Wilde,...

 

Kommen wir zu Parfums. Welches war Dein erstes Parfum?

Ich weiss es nicht mehr! Ich glaube mich zu erinnern, dass es irgendein Kenzo war. Laut halt. Es waren die 80-er.... Es hat nur bedingt Eindruck hinterlassen :-)

 

Dann zu Parfums, welche Eindruck hinterlassen, zu Deinen. Welches Deiner Parfums trägst Du selbst am liebsten?

Im Moment das Vanilla Flash, das aber zur Zeit in Europa noch nicht erhältlich ist. Es ist mir im Moment mein liebstes Fläschchen, weil ich in einem gewissen Sinne den Duft auf meine Haut geschneidert habe.

 

Das Parfum, welches am meisten Eindruck hinterlassen hat, war wohl „L’Air du Désert Marocain“. Was war Dein erster Gedanke, als Du Luca Turins Kommentar zu diesem Parfum gelesen hast? Und wie hast Du eigentlich von diesem Kommentar erfahren?

Oh, das weiss ich noch genau: Ich bekam eine email im Zug, von der NZZ. Luca Turin hatte seinerzeit noch seine monatliche Duftkolumne im Neue Zürcher Zeitung Folio und da ich wegen dem Bild für den Artikel mit dem Graphiker Kontakt hatte, bekam ich ein mail mit dem Text, gelayoutet und vorab. Das war so ein Wow! Moment in meinem Leben, den ich nicht vergessen werde. Der erste Gedanke war von daher wohl "wow" und der zweite war: Ich habe es geschafft! Geschafft, Anerkennung zu finden. Und das, das tut gut.

 

Ausserdem malst Du viel. Hast Du dies auch schon während Deiner Zeit als Chemiker gemacht oder kam dies erst später?

Ich habe mit ersten Skizzen im Studium begonnen. Das meiste war in Tusche, später kam Oel dazu. Ich zeige mal eine dieser Skizzen. Aber nach meinem Post-doc in den USA , mit der ersten Stelle als Produkt Manager, habe ich aufgehört. Für viele Jahre. Und dann kam die Parfümerie als kreatives Ventil. Das Malen, das habe ich eigentlich erst vor zwei Jahren wieder

aufgenommen. Nun, mit 25 Jahren mehr Lebenserfahrung und mit mehr Geduld, mit mehr "Gesehen-Haben", nun geht das Malen irgendwie leichter.

 

Vermisst Du manchmal Deinen alten Beruf?

Nein. Keine Sekunde. Nie.

 

Dann noch eine Frage zu Deinem aktuellen Beruf: Welcher Schritt in der Parfumherstellung bereitet Dir die grösste Freude?

Es sind dies die ersten Schritte in der Kreation, der Komposition eines neuen Duftes, basierend auf einer Idee, die ersten Gehübungen auf leerem Grund, ohne die Mühsal des Auspolierens, des Verfeinerns, das "Noch-Nicht-Gescheitert-Sein", und ohne all die Überlegungen, die in späteren Phasen kommen. Die ersten groben Striche, sozusagen, die sind am schönsten.

 

Und zum Abschluss: Hast Du ein Lieblingszitat?

"Jedes Unrecht trägt den Keim seiner Vernichtung in sich." Ich weiss aber nicht, woher ich dieses Zitat habe. Aber es ist sehr wahr und tröstet über manche Ungerechtigkeit in der Welt hinweg.

 

Wunderbare abschliessende Worte. Vielen Dank!


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