Vincent Micotti

Ein Treffen mit Vincent Micotti, der Nase hinter YS Uzac, ist toll. Noch toller ist es jedoch, von ihm in sein Labor eingeladen zu werden, um sich dort umsehen und vor allem umriechen zu können. Dass dabei auch ein wenig geplaudert wird, ist beinahe selbstverständlich.

 

Herzlichen Dank für die Einladung. Die Gegend ist sehr schön hier, so ruhig.

Ja, am Wochenende ist es ganz ruhig hier. Unter der Woche ist aber auch nicht viel mehr los, nur ab und zu ein Lastwagen. Da kann man gut arbeiten. Ausserdem haben wir einen tollen Vermieter. Ich bin wirklich sehr glücklich hier.

 

Hier ist auch der Platz, an den Leute, die ein massgeschneidertes Parfum von Dir wollen, kommen?

Ja, sie kommen hierher. Oder ich fliege zu ihnen. Je nachdem, wo sie wohnen und was sie wollen.

 

Sieht hier sehr gemütlich aus.

Wir haben es jetzt auch ein wenig neu designt. Es soll ein Ort sein, wo ich gut arbeiten kann und wo sich die Leute wohlfühlen.

 

Das scheint gut gelungen zu sein. Wenn Leute zu Dir kommen und ein Parfum wollen, was wollen sie dann meistens?

Meistens etwas anderes, als sie sich zuerst vorstellen. Häufig starten wir wo und landen dann schliesslich ganz woanders.

 

Wie zum Beispiel?

Oft höre ich, dass Leute den Duft von frischem Gras wollen, weil sie damit den Frühling verbinden. Doch das funktioniert nicht. Nur der Duft von frischem Gras ist es nicht, was sie wirklich wollen, da es nicht nur der ist, der den Frühling ausmacht. Und wenn sie es dann riechen, dann merken sie auch, dass da etwas fehlt. Und dann wird daran weiter gearbeitet.

 

Für viele Kunden ist auch das Thema Natur und natürliche Rohstoffe wichtig. Die regelmässigen Skandale in die Kosmetikindustrie oder in die Lebensmittelbranche in manchen Länder kommen immer im Gespräch vor. Einige machen sich auch Sorgen über die Menge von Chemikalien, die in unserem Blut schon fliesst und wünschen sich Naturdüfte. Nun, synthetische Duftstoffe sind und waren immer sehr bedeutend für die Parfümerie, und riechen oft wirklich toll. Wir sind aber alle schon Tag und Nacht im direkten Kontakt mit diesen Produkten. Die Möglichkeit, ein Duft aus den natürlichen Rohstoffen, die ich direkt von Produzent besorge, zu bekommen, ist dann immer sehr beliebt.

 

Die meisten Deiner Kunden sind Schweizer?

Nein. Für Schweizer ist der Wunsch nach einem massgefertigten Parfum nicht typisch.

 

Aber Deine Kunden wollen dann ein massgeschneidertes Parfum als Signature Scent?

Ja, die meisten.

 

Ich habe das Konzept von einem Signature Scent nie ganz verstanden. Dazu habe ich viel zu gerne meine Parfumgarderobe und kann nach Lust und Laune auswählen.

Ich habe auch keinen Signature Scent, sondern mehrere Parfums. Aber für viele Menschen sind Parfums ein sehr intimes Thema und sie wollen dann auch ein Parfum, welches nur sie haben, das ganz persönlich ist. Manche sprühen auch den Duft in die Luft, sobald sie in einen Hotelzimmer kommen, um das Gefühl „zu Hause zu sein“ zu kriegen, egal wie teuer der Duft ist.

 

Und zu den nicht-massgeschneiderten Parfums: Welcher Duft verkauft sich momentan am besten?

Sacre du Printemps. Wahrscheinlich, weil er gleichzeitig einzigartig und frech ist.

 

Und Dragon Tattoo, wie läuft der? Er ist ja doch sehr speziell.

Speziell? Das stimmt. Er polarisiert wirklich stark. Entweder null oder hundert Prozent. Daher gibt es zwar viele, die ihn nicht ausstehen können, aber auch viele, die ihn grossartig finden. Der Vertrieb läuft grossteils über das Internet und ich bekomme regelmässig Anfragen von Leuten, die ihn einmal gerochen haben und ihn nun unbedingt kaufen wollen.

 

Wie kam es eigentlich zu dem Duft?

Er ist inspiriert von Lisbeth Salander, aus der Millenium Trilogie. Alles begann aber eigentlich damit, dass für Pitti 2014 mehrere Firmen Hautdüfte geschaffen haben. Ich war auch bei diesem Projekt dabei und habe auch damit begonnen, mich zu fragen, wonach Haut eigentlich riecht. Doch dann habe ich gemerkt, dass dies der falsche Ansatz ist. Ich musste mich erst

fragen, was Haut heute ist. Und da kam ich zu tätowierter Haut. Haut und Tinte.

 

Ich finde, er riecht auch ein wenig wie Latex auf der Haut.

Ja, er geht schon in eine gewisse Szene.

 

Ganz anders ist da das Parfum de Jeanne. Wie kam es eigentlich zu dem?

Das entstand im Zusammenhang mit "Gesundheit heute" und Jeanne Fürst. Sie kam mit ihrem Fernsehteam und wollte in meinem Labor filmen, dabei sollte ich auch irgendetwas machen. Da kam ich auf die Idee, dass ich doch gleich ein Parfum für sie machen könnte und sie war begeistert. Die Idee war, etwas zu machen, das die Stimmung aufhellt und Spass macht. Quasi einen Duft gegen Stimmungstiefs. Wir haben daher nur solche Inhaltsstoffe verwendet, etwa Zitrusnoten oder Vanille. All diese Noten haben stimmungsaufhellende Wirkung. Ausserdem kommt der Erlös aus dem Parfum der Stiftung "Denk an Mich" zugute.

 

Also ein ganz und gar positives und schönes Projekt. Welche anderen tollen Momente gibt es denn noch?

Viele. Etwa, wenn einen Leute über das Internet kontaktieren und unbedingt einen Duft haben wollen. Wenn man erfährt, dass sie eine Probe von einem Duft durch Zufall erhalten haben und jetzt unbedingt dieses Parfum kaufen wollen. Oder wenn Leute einen unterschriebenen Flakon von mir wollen. Häufig lassen sie sich dann das Parfum von anderen mitnehmen, weil ich an ihre Adresse nicht verschicken kann.

 

Also sie nehmen lange Wartezeiten in Kauf?

Ja, und auch Mühe. Bis man alles organisiert hat, dass sie auch wirklich das Parfum erhalten.

 

Schön, wenn man sieht, welche Begeisterung Parfums auslösen können.

Herzlichen Dank für das Interview.


(Copyright V. Micotti)
(Copyright V. Micotti)