Acqua di Parma


Acqua di Parma wurde 1916 gegründet und in einer kleinen Fabrik mitten in Parma wurde das noch heute erhältliche Colonia hergestellt, was sich durch seine Leichtigkeit und Frische schon damals auszeichnete.

 

Mittlerweile stellt Acqua di Parma auch Lederwaren, Kerzen und andere Produkte her und hat seine Duftpalette durch verschiedene Linien vergrößert. Auch wurde der Firmensitz nach Mailand verletzt und die Firma wurde vom LVHM-Konzern übernommen.

 


Blu Mediterraneo - Bergamotto di Calabria

(Copyright Acqua di Parma)
(Copyright Acqua di Parma)

Italienisches Essen ist oft sehr straight. So gibt es beispielsweise Pasta mit Tomatensauce. Kein aufwendiges Gericht, nicht allzu viele Finessen, nur Pasta, Tomaten, Knoblauch, ein paar Kräuter und Olivenöl. Dies ergibt keinen perfekt verwobenen Gesamteindruck von allen Zutaten, sondern ein ideales Darstellen der Tomate, welche ihren Geschmack präsentieren darf und durch die anderen Zutaten lediglich unterstützt wird. Es schmeckt, wie erwähnt, köstlich und lädt zum Genuss ein. Ja sogar so sehr, dass man im Moment des Essens vergisst, dass es viel raffiniertere Speisen gibt, eben da diese Einfachheit so perfekt ist.

 

Dasselbe ist es mit den Düften der Blu Mediterraneo-Linie. Die Duftnote, welche im Namen genannt wird, steht im Mittelpunkt und wird lediglich durch andere Duftnoten dezent unterstützt. Raffinesse ist nicht vorhanden, Feinschliff fehlt, dennoch sind es wirklich sehr empfehlenswerte Parfums, da sie die Protagonisten wunderbar in Szene setzen und schön zu tragen sind.

 

Bergamotto di Calabria startet mit einer frischen Bergamotte, die von ein wenig Zitrone unterstützt wird. Sehr zitrisch, sehr frisch, doch nicht unangenehm sauer, sondern vielmehr fruchtig. Wie auch reine Zitronen, die man in Italien oft erhält, nicht die Säure der billigen Importzitronen aufweisen. Fließend ist dann der Übergang, wenn die Zitrone durch den Ingwer abgelöst wird. Nun ist er im Hintergrund zu erkennen, während die Bergamotte immer noch unbestritten im Vordergrund steht. Nicht allzu scharf, sondern eher würzig. Zeder sorgt für etwas mehr Charakter, bleibt jedoch auch dezent und drängt sich nie in den Vordergrund. In dieser Phase wird der Duft ein wenig kräftiger und hat einen höheren Wiedererkennungswert als in der Kopfnote. Gegen Ende kommen noch Benzoe und Moschus hinzu, welche jedoch den Duft nicht in eine andere Richtung abgleiten lassen, sondern vielmehr den Ausklang der Bergamotte einleiten.

 

Wie Bergamottensorbet, frisch, nur ein ganz klein wenig süß, aber auch nicht zu sauer. Ideal zu genießen, jedoch nicht von allzu langer Haltbarkeit, welche auch für Bergamotte nicht üblich wäre. Ein schöner, unkomplizierter Bergamottenduft, den man im Sommer gerne trägt, der einen erfreut, jedoch nicht die Nase fordert und Begeisterungsstürme entfachen wird. Doch manchmal braucht man eben auch solch ein unkompliziertes Parfum als Begleiter für heiße Tage oder einen Kurzurlaub in Italien.

 

Blu Mediterraneo - Mandorlo di Sicilia

Mandeln. Aus dem klassischen Italienbild wohl kaum wegzudenken. Amaretto – teils köstlich, teils zu synthetisch oder süß –, die beliebten Amaretti zum Espresso oder als Teil der Dolci, als klassische Zutat von Torrone oder auch die Cantuccini. Mandeln gehören einfach zu italienischen Süßwaren.

 

Mandorlo di Sicilia bietet von der ersten Minute einen sehr angenehmen Mandelduft, erinnert jedoch leider nur selten an die oben genannten Süßwaren. Zu Beginn ist ein dezenter Hauch von Bergamotte zu riechen, doch dann erinnert der Duft sogleich an Marzipan. Diese Assoziation ist jedoch nicht ganz korrekt, denn es riecht zwar nach Marzipan, doch nach einem, welches nicht durch allzu viel Zucker gestreckt wurde. Außerdem ist der Duft nicht so schwer wie Marzipan, sondern eher eine Art von Marzipan-Wolke. Könnte man Marzipan wie Zuckerwatte spinnen und würde noch einen Hauch von Vanillepulver, eine fein gemahlene Kaffeebohne sowie eine Frangipani-Blüte dazugeben, das wäre der Duft. Um jedoch an Amaretti zu erinnern, ist der Duft viel zu süß und auch nicht elegant genug. Es ist eben mehr ein Jahrmarktvergnügen als ein stilvolles Espressotrinken in einem Palazzo.

 

Zu Beginn kurz einmal etwas verhaltene und bereits mandellastige Frische mit Frangipani, dann Kaffee in der Ferne und etwas leicht Fruchtiges, das der in der Duftpyramide erwähnte Pfirsich sein könnte. Doch egal, was auch hinzugefügt wird, es bleibt ein Mandelduft. Gegen Ende wird er noch deutlich süßlicher, da sich Moschus und Vanille dazugesellen. Riecht man bewusst am Parfum, merkt man auch, dass Hölzer eine Rolle spielen. Doch nach wie vor spielt die Mandel die Hauptrolle, wenngleich sie nun schon sehr süß geworden ist. In dieser Phase erinnert es mich an Amaretto ohne Alkoholnoten, welchen man nicht trinken will, der sich jedoch zum Backen gut eignet.

 

Die Umsetzung der Mandel ist gut gelungen und Mandorlo di Sicilia zählt für mich zu einem der besten Düfte der Blu Mediterraneo-Linie sowie zu einem der besten Mandeldüfte überhaupt. Doch so gerne ich ihn rieche, so ungern trage ich ihn. Einerseits gefällt es mir nicht, nach Essen zu riechen, wenn ich das Haus verlasse. Mandorlo di Sicilia ist für mich lediglich ein Duft, welchen man für sich am Abend tragen kann, wenn man etwas Tröstliches braucht. Andererseits fehlt mir der Feinschliff, die Raffinesse. Natürlich ist auch Marzipan vom Jahrmarkt schön, hat etwas Unbeschwertes und Tröstliches, doch kann ich nicht anders, als weiterhin auf einen dezenten Mandelduft zu warten, der mir das Gefühl gibt, das perfekte Amaretti zu einem perfekten italienischen Espresso im Schatten irgendwelcher Arkaden in Italien zu genießen. Mit dem perfekten Mann an meiner Seite, versteht sich.

 

Colonia

Mit Tradition ist es bei Parfums immer so eine Sache. Viele behaupten, eine zu besitzen, bei wenigen ist dies bewiesen. Ob Creed tatsächlich so eine grossartige Vergangenheit vorzuweisen hat, wie die Marketingabteilung es uns glauben machen will, darf bezweifelt werden. Auch ob immer all die Berühmtheiten, die als Träger eines Duftes angeführt werden, diesen wirklich trugen, darf bezweifelt werden. So weiss man auch nicht mit Sicherheit, ob Cary Grant, Ava Gardner und Audrey Hepburn wirklich Colonia trugen. Und wenn ja, wie oft. Kauften sie es sich regelmässig, hatten sie es sich einmal gekauft oder hatten sie es etwa nur im Rahmen einer Marketingkampagne geschenkt bekommen?

 

Was bei Acqua di Parmas Colonia jedoch wirklich angenommen werden darf, ist, dass es bereits seit 1916 auf dem Markt ist. Wie sehr es verändert wurde, lässt sich kaum mehr beurteilen. Wohl wurde es, wie fast alle Parfums, ein wenig abgeändert und angepasst, doch der grundlegende Charakter ist immer noch ident. Der eines klassischen, im positiven Sinne einfachen Sommerdufts.

 

Es ist italienischer Lebensstil. Frei von allen unnötigen Dingen, aber doch mit kleinen, feinen Finessen. Vor allem voller reifer Zutaten, die mit genügend Leidenschaft und auch Unkompliziertheit zusammengefügt wurden. Auch ruht alles so perfekt ineinander, dass es zwar ganz unaufregend, aber eben doch perfekt wirkt.

 

Zitrone, eventuell auch ein wenig Neroli (doch nicht die typische 4711-Note), ist am Anfang ganz stark präsent, wird dann jedoch dezenter. Dazu noch eine Rose, die nichts mit der Rose so manch eines üppigen Damenparfums gemein hat, und Lavendel. Einige Kräuter untermalen und hinterlegen alles. Die meisten bleiben undefinierbar. Als ginge man in etwas Abstand an ihnen vorbei und kann nur einen dezenten Hauch von ihnen aufschnappen. Lediglich Eisenkraut ist noch deutlicher zu merken. Nach einem ersten Schwall von beinahe nur Zitrone werden diese Kräuter immer deutlicher erkennbar und gegen Ende wird der Duft auch sehr sanft, erinnert mich irgendwie an die Konsistenz von Rasierschaum. Dieses Anschmiegsame, das jedoch nie zu lieblich wird.

 

Dass dieser Duft eine lange Tradition vorzuweisen hat und ein Klassiker geworden ist, verwundert nicht. Es ist einfach ein Sommerduft für jeden und jede, zumal für jede Gelegenheit. Ob zum Anzug, in der Freizeit oder auch am Strand. Mit ihm ist man nie underdressed, mit ihm wird einem nie zu heiß. Stilvoll, doch gleichzeitig sehr puristisch, frei von Schnörkeln. Man fühlt sich frei, fühlt sich nach Italien versetzt. Man fühlt sich wie im Schatten sitzend und die freie Zeit genießend. Unanstrengend und gleichzeitig nie langweilig banal. Ebenso puristisch und edel verpackt wie duftend.

 

Aus all diesen Gründen ist stark anzunehmen, dass dieses Parfum in einigen Jahren auf eine noch grössere Tradition zurückblicken können wird. Denn egal, ob und wie viele Prominente ein Parfum tragen, auch egal, eine wie grosse Tradition ein Duft vorzuweisen hat, Klassiker entstehen dadurch, dass man ein Parfum schafft, welches die Leute anspricht, welches gerne getragen und welches vor allem wieder gekauft wird. Und dass all diese Punkte bei Colonia zutreffen, daran kann kein Zweifel bestehen.


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