Boadicea the Victorious


Michael Boadi stellt sein kreatives Können nicht nur bei seiner Arbeit als Hairstylist unter Beweis, sondern auch beim von ihm gründeten Parfumlabel Boadicea the Victorious.

 

Boadicea war eine kriegerische Königin, die einen, wenngleich letzten Endes niedergeschlagenen Aufstand, gegen die römische Besatzung anführte und gilt heute noch als Befreierin.

 

Starke und mutige Parfums herstellt mit britischer Parfumeurskunst und abgefüllt in mit keltischen Knoten dekorierte Flakons. Sowohl optisch wie auch olfaktorisch ein spannendes Erlebnis und grosser Genuss.

 


Intricate

Bekannterweise sind Parfumaffinität und Drogensucht zwei nur geringfügig voneinander abweichende Ausprägungen einer Hirnfunktionsstörung.

 

Daher haben auch die unterschiedlichen Varianten der Auslebung des Problems oft erstaunliche Ähnlichkeiten. Dass der "drei Bier, Fußball, Schlafen"-Typ gleichzeitig meist Boss-Anwender ist, ist allerdings Zufall. Doch diese quantitativ vielleicht bedeutende, weil ein gros der Fälle abdeckende Spielart, ist nicht nur qualitativ reizlos, sondern auch für den Beobachter unansehnlich, weshalb ich den Blick gleich den interessanteren Nischenexistenzen zuwenden möchte.

 

Wer diese Schwelle überschritten, dem darf man ob seines Bekenntnisses zum Stilwillen zwar prinzipiell schon einmal die Hand schütteln. Doch an dieser Stelle selbstgefällig auszuruhen und sich für cool - weil von der Masse abgegrenzt - zu befinden, wäre fatal. So cool sind Black Afgano und Super Skunk dann halt doch nicht.

 

Erst die rastlose Jagd nach dem immer nächsten und größeren Kick ist es, die Monster und Meisterwerke gebiert. Sie lässt Menschen vor die Hunde gehen oder auf bizarren Nebengleisen verenden (schon Mandrax oder Micallef probiert?), aber hey, ohne sie gäbe es kein Slumberhouse und ohne Slumberhouse wäre die Welt nicht lebenswert!

 

Einmal auf diesem Level angekommen, ist es nurmehr ein schmaler Grat zwischen Apotheose und Apokalypse. Denn jeder weitere Schritt, zu dem einen die rastlose Suche nach ersterem antreibt, könnte die totale Vernichtung bedeuten und tut es meist auch. Dennoch können Junkies und Parfumconnaisseure nicht anders.

 

Aber so einfach ist die Sache nicht, denn es braucht auch erst einmal das brillante Hirn, das den neuen Stoff entwickelt - noch intensiver, noch krasser, noch einzigartiger, noch mehr Kick und bedingungslose Selbstzerstörung zugleich.

 

An dieser Stelle kommen Krokodil (a.k.a. Desomorphin) und Boadicea ins Spiel. Denn seien wir mal ehrlich: die Parallelen zwischen den beiden sind noch augenfälliger als die in der "drei Bier, Fussball, Schlafen, Boss"-Geschichte.

 

Bei beiden fragt sich ein Außenstehender zurecht, wer so etwas Abartiges nur freiwillig nutzen kann. Der Anwender muss sich seiner Lebensmüdigkeit schon klar bewusst sein, um zuzugreifen. Beides stellt das ultimative Ende der Potenzierungskette dar. Und beides ätzt für immer die Haut weg.

 

Um nicht weiter auszuschweifen komme ich zum Punkt: Intricate ist so etwas wie die Königsdisziplin unter den Boadiceas.

 

Gleich nach dem Öffnen von Pandoras Büchse bricht jede Hölle los.

 

Und auch das Scheitern an der sachgemäßen Anwendung, so man denn in diesem Zusammenhang überhaupt von einer solchen sprechen kann, hat schon wenigstens zwei hocherfahrene Parfumpassionatas aus meinem näheren Umfeld unwiderruflich ins Verderben gestürzt. Ein verhaltener Sprüher aus voll ausgestreckter Armlänge, von dem zwischen 17,8 uns 23,4 Prozent den Körper streifen dürfen, ist eine sachgemäße Anwendung. Weniger ist waschlappig, bei mehr ist "tödlich" ein Euphemismus.

 

Habe ich "Sova" von Slumberhouse attestiert, ein Gourmand auf Anabol zu sein, so ist Intricate "Norne" und "Jeke" auf Anabol: Durch den Norne´schen Wald ist die Apokalypse geritten, von der in der Pyramide angegebenen Iriswurzel ist übrig, was der Höllenbrand zurückgelassen hat. Die Angabe von Moschus und Leder ist als Verhöhnung oder Referenz an die bestialischen Qualitäten des Leibhaftigen an sich zu verstehen.

 

Aller Dreck, aller Qualm, alles Vermoderte, Verkokelte und Verschwelte, was das Licht dieser Welt niemals wieder hätte erblicken dürfen, fasst dieser Flakon. Es wartet darauf freigelassen zu werden.

 

Ich ringe noch mit mir, ob ich das wirklich cool finde, oder ob ich es cool finde, weil ich es cool finden muss, um mir selbst solch eine Krassheit zu attestieren. Vielleicht bin ich auch innerlich ein Weichei und doch eher für Desomorphin gebaut.

 

Ich find´s cool.