By Kilian

Der Name Hennessy ist nur allzu gut bekannt. Cognac der Firma Hennessy, die es bereits seit 1765 gibt, zählt immer noch zu den Luxusprodukten, die Firma selbst ging eine Fusion mit Moët und Louis Vuitton ein.

 

Kilian Hennessy stammt aus eben jener Familie und wenngleich er sich nicht der Cognacherstellung verschrieben hat, so wahrt er das Familienerbe überaus würdig: Nach einem Studium der Kommunikations- und Sprachwissenschaft erlernte er das Parfumeurshandwerk und arbeitete für große Mainstreammarken wie Dior, Armani oder Paco Rabanne.

 

2007 gründete er seine eigene Marke „By Kilian“. Von Beginn an wurde Wert darauf gelegt, die Marke exklusiv zu vermarkten und sie im edlen Nischensektor zu positionieren. Besonders großes Augenmerk wird auch auf die Präsentation der Düfte gelegt, wobei sich etwa die Flakons in einer absperrbaren Schatulle befinden.

 

Aktuell sind vier verschiedene Linien auf dem Markt zu finden. Die Konzepte und auch die Duftstrukturen jener Parfums stammen von Kilian Hennessy selbst, für die Ausarbeitung sind jedoch andere renommierte, meist junge Nasen verantwortlich.

 


Back to Black

Back to Black ist einer der Nischendüfte, der so eine Art Star in der Riege der Nischenparfums ist. Irgendetwas Mystisches scheint ihn zu umgeben, für viele Leute sollen sich dank ihm neue Welten aufgetan haben und für viele soll er Einstieg in eine neue olfaktorische Welt gewesen sein.

 

Bei mir taten sich keine neuen Welten auf, sondern Abgründe, doch zuvor kurz zum Duft an sich. Honig ist das Hauptthema. Würziger, goldgelber Honig. Und dabei könnte man es auch fast belassen. Aber eben nur fast. Denn das, was man riecht, erinnert zwar frappierend an Honig, doch riecht man an Honig, so fühlt man nicht annähernd das, was man von Back to Black vermittelt bekommt. Hat nicht annähernd das Gefühl, so begeistert und verzaubert zu sein, wie es bei Back to Black der Fall ist.

 

Was genau es ist, ist schwer zu sagen. Aber eben dies ist das Schöne daran, das Kunstvolle. Könnte man Back to Black aufgliedern, könnte man genau erriechen, welche Komponenten dem Honig zur Seite gestellt wurden, so wäre es kein Kunstwerk mehr, sondern sehr banal.

 

Gegen Ende gibt es auch keine wirkliche Entwicklung mehr, sondern eher ein Fade out. Der Duft wird leiser, um dann irgendwann nicht mehr wirklich da zu sein, während doch immer noch ein Hauch über einem schwebt, den man nicht genau erhaschen, aber den man auch nicht leugnen kann.

 

Den Duft nach einem Lied von Amy Winehouse zu benennen, ist in vielfacher Hinsicht ein Meisterwerk.

 

Einerseits passt dieser abgründige Duft zu ihr. Wie erwähnt – Honig mit Beiwerk. Honig ist nicht unbedingt das tollste Aphrodisiakum, aber kann schon zu diesem werden, wenn verschiedene Gewürze und Hölzer mitschwingen. Eine Assoziation von wilden Nächten, ein wenig Zigarettenrauch in der Luft über einem zerwühlten Bett und Körperlichem schwingt mit.

 

Zum Lied selbst. Dieses Gefühl, wieder verlassen worden zu sein. Wenn man am Morgen aufwacht und weiß, dass es toll war, aber nun vorbei ist. Dass die Träume der letzten Nacht nicht mit der Wirklichkeit des heutigen Tages übereinstimmen können. Dass alles so schnell ging, dass einen alles so unglaublich überrollt hat, aber man nun weitermachen muss.

 

Amy Winehouse. Nicht nur, wie sie uns eine Gänsehaut verursacht hat, als sie auf der Bühne stand und dieses Lied sang. So zerbrechlich, so beschützenswert, so faszinierend, so anziehend. Unfassbar, unergründlich. Eine Stimme, die durch einen hindurch geht, die man nicht mehr vergessen wird, wenn man sie einmal gehört hat. Die Worte dieses Liedes aus ihrem Mund. Die Trauer, die so authentisch wirkt, doch auch das Bekenntnis, wie sehr sie liebt.

 

Amy Winehouse. Eine unfassbare Person. So unbegreiflich wie sie als Person war, so war auch ihr Leben. Sie wird uns immer in Erinnerung bleiben, aber wir werden all dies nicht verstehen können.

 

Back to Black ist ein würdiges „Memento Mori“ für alle Amy Winehouse Liebhaber. Und ein wundervoller Duft für alle anderen. Ein Parfum, wenn man verführen will. Ein Parfum, wenn man mit erhobenem Kopf durch das Leben gehen muss, obwohl man zuvor gebrochen wurde. Ein Parfum, um eine Nacht zu erleben, die am nächsten Morgen als Traum erscheinen wird. Ein Parfum, wenn man einen Traum kurzzeitig leben will, auch wenn man weiß, dass er in der Realität scheitern will. Einfach unglaublich, einfach einhüllend schwarz, einfach ein warmes Schwarz.


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