Collection Croisière

(Copyright K. Subbotin)
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Wenn es eine Gruppe von Düften gibt, denen in der Nischenparfümerie kaum Beachtung geschenkt wird, dann sind dies zweifelsohne die aquatischen Düfte. Eben diesen nimmt sich Pierre Guillaume mit seiner Collection Croisière, die Teil von Parfumerie Générale ist, an und zeigt auf, dass Aquaten mehr sind als die Aneinanderreihung von Molekülen, die nach Salz und Meer duften.

 

Vielmehr geht es um das Reisen, die Freiheit, das Abenteuer - kurzum: um das Leben selbst.

 

Ob nun fruchtige Chypre, der Duft des Dschungels oder eine Reise auf der Route 66, alles ist möglich, solange man sich auf das einmalige Dufterlebnis, das einem geboten wird, einlässt.

 


Long Courrier

(Copyright K. Subbotin)
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Wenn man öfters auf Geschäftsreise ist, kennt man es: Manchmal führt so eine Reise in wunderbar sommerliche Gefilde und man findet mit viel Glück sogar ein paar Stunden Zeit, um an den Strand zu gehen oder sich anderswo die Sonne auf die Haut scheinen zu lassen. War man die Tage zuvor noch in Meetings, hat präsentiert, verhandelt, diskutiert und noch viel mehr, fühlt man plötzlich die Sonne auf der Haut, riecht das salzige Meerwasser und fühlt sich plötzlich wieder selbst. Man ist nicht mehr nur die Person in der Rolle der Vertretung der Firma, man ist wieder man selbst. Haben sich einem noch kurz zuvor gar keine Gedanken aufgedrängt, da man zu beschäftigt war, kommen diese nun wieder. Man denkt daran, wie schön es nicht wäre, mit dem Partner hier zu sein, gemeinsam die Schönheit des Ortes zu genießen und sich von ihm verwöhnen zu lassen.

 

Spätestens im Flugzeug wird die Sehnsucht nach den Berührungen des Partners unerträglich. Nun hat man nicht mehr das Meer und die schöne Lage, die einen ablenken können. Man starrt die Lehne des Vordersitzes an und ist in Gedanken an einem ganz anderen Ort. Man bereut, dass man noch vor dem Abflug den vom Partner so geliebten Vanilleduft aufgesprüht hat. Dieser vermischt sich nun mit den leichten Noten des Salzwassers, das immer noch im Haar ist, sowie den cremigen Aspekten der Sonnenmilch zu einem verführerischen Duft. Dadurch, dass es wirklich nur ein Sprüher war, bleibt die Vanille dezent und wird so schön von den Sommernoten überlagert. Etwas leicht Bitteres ist auch dabei, aber nur soweit, dass es nicht stört, sondern ausbalanciert wirkt.

 

Man bedauert, nicht gerade neben seinem Partner am Strand zu liegen, seine Hände erst auf dem Rücken zu spüren. Er cremt einen mit Sonnenmilch ein, man genießt gemeinsam im Schatten den schönen Tag und ein leichter Wind weht einem um die Nase. Um alles besser eincremen zu können, öffnet er das Bändchen des Bikinis und cremt mit größter Sorgfalt weiter. Er lässt seine Hände beständig über den Rücken wandern, lässt keinen Quadratzentimeter aus und geht dabei auch sehr sanft vor. Dann, weil er gerade am Eincremen ist, widmet er sich noch den Oberschenkeln. Auch diese sollen keinen Sonnenbrand bekommen. Das Gefühl von kühlender Sonnenmilch und liebkosenden Händen.

 

Es sind die Momente, in welchen frau aufpassen muss, dass sie die Schenkel nicht zu sehr aneinander presst, dass sie ihre Hand nicht, während sie in Gedanken versunken ist, auf Wanderschaft an ungebührliche Plätze gehen lässt. Die Momente, in welchen man sich unwillkürlich über die Lippen fährt, ein bisschen tiefer zu atmen beginnt und einen leicht verklärten Blick hat.

 

Als die Stewardess vorbeikommt und nach den Wünschen für ein Getränk fragt, schrickt man auf. Man hat immer noch den wundervollen Duft in der Nase. Dieser Vanille-Sonnencreme auf dunklem Kakaopulver mit schöner Moschusbasis Mix. Man sieht die Stewardess beinahe ein wenig verschämt an, als könnte sie erraten, woran man vorher gedacht hat. Das Essen und das

Getränk, das man bekommt, holen einen wieder mehr in die Realität zurück.

 

Schließlich kommt man an. Der heimische, vertraute Flughafen. Ein Blick in die Menschenmenge, dann endlich. Er ist da. Man fällt sich in die Arme, fühlt den anderen nach langer Zeit wieder, atmet den vertrauten Duft ein und versinkt in einen innigen Kuss, der eine kleine Unendlichkeit dauert.

 

Métal Hurlant

(Copyright K. Subbotin)
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Das Thema "Reisen" der Collection Croisière wird auch hier aufgenommen. Doch diesmal ist es kein Stranderlebnis, sondern eine Motorradtour quer durch die USA auf der legendären Route 66.

 

Klingt wild? Nun, ich kann beruhigen. Es ist kein Duft, der an einen Motorradfahrer erinnert, der schon lange unterwegs ist und so gut wie nie geduscht hat. Auch eine grobe Komponente fehlt gänzlich.

 

Es ist der Duft von Petroleum. Jedoch so, als hätte man noch einen Filter darüber gelegt, der eine nostalgische Aura heraufbeschwört. Es ist der Duft von Leder, aber ohne die klassische Birkenteer-Note, ohne Brutalität oder Schwere. Nach einer Weile wird es auch der Duft von einem Menschen, seiner Haut.

 

Es ist der Duft von poliertem Chrom. Die 50er Jahre in Amerika. Ein Wagen, der noch per Kanister betankt werden muss. Felgen sind poliert und glänzen. Das ganze Auto ist ebenfalls poliert und Chrom reflektiert in der Abendsonne.

 

Ein junger Mann in seiner Lederjacke steht gegen dieses Auto gelehnt. Eine Lederjacke von Balmain. Eine Bikerjacke, aber noch kaum getragen, vielleicht sogar erst zum ersten Mal. Sehr feines, weiches Leder. Die Jacke würde eine richtige Bikertour nie überstehen, doch dafür ist sie auch nicht gemacht.

 

Seinem Körper schmeichelt die Jacke sehr. Er ist trainiert. Nicht zu viel, aber doch. An seinen Händen sieht man jedoch klar, dass seine Muskeln nicht von harter Arbeit kommen, sondern von Sport. Elegante Hände, nicht die eines Arbeiters. Doch eigentlich hätte es den Blick auf seine Hände gar nich gebraucht. Sein Auftreten ist von einem selbstverständlichen Selbstbewusstsein. Sein Blick so ruhig und selbstsicher.

 

Er ist unverschämt gutaussehend. Seine Jugend, seine Attitüde und sein Auftreten verstärken dies noch. Kein bad boy, der auf Krawall aus ist, sondern ein Mann, der weiss, was er will, und es gewohnt ist, dies auch immer zu bekommen.

 

Seine Freiheit hat er sich nicht mühsam erkämpft, nicht erstritten. Es gab keine Revolution, kein Ausbrechen. Er kann sich seine Freiheit leisten. Er geniesst den wahren Luxus - nicht in einer Maschinerie gefangen zu sein, nicht immer arbeiten zu müssen und zu wissen, dass man diesen Lebensstil dennoch problemlos weiterführen kann.

 

Es ist der Duft von Freiheit, die Luxus bedeutet. Nicht mehr und nicht weniger. Und dieser Duft ist von einer unvergleichlichen Einzigartigkeit und Schönheit.

 

Paris Seychelles

(Copyright K. Subbotin)
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Die Geschichte, die als Inspiration diesem Duft zugrunde liegt, ist beinahe kitschig. Nach einem Urlaub im Indischen Ozean bringt eine schicke Pariserin den Duft des dortigen Tropen, welcher immer noch an ihrer Haut haftet, in die Stadt der Liebe mit. Unter einem Kaschmirpulli entfaltet er seine einzigartige Wirkung, lässt Urlaubserinnerungen auferstehen und beschwört ein wenig Exotik.

 

Wie schon einmal erwähnt, ich bewundere und beneide die Französinnen. Ihre Eleganz, ihr Anmut und ihr Stil, der ist einfach unvergleichlich. Wie sie es verstehen, aus ganz simplen Kleidungsstücken ein fabelhaftes Ensemble zu zaubern. Auch ihre Fähigkeit zu stilvollem Genuss. Nie einem guten Essen abgeneigt, nie einem Glas Wein abgeneigt, aber doch so weit von Exzessen entfernt, wie es nur irgendwie möglich ist. Diese Leichtigkeit, die nicht hart geplant wirkt. Kein mühsam inszenierter out-of-bed Hairstyle, sondern eine echte lockere Eleganz.

 

Eben diese lockere Eleganz hat auch der Duft inne. In den Haaren immer noch die Meeresluft, auf der Haut immer noch Reste von Monoi-Öl, in einen feinen Kaschmirpulli gehüllt und mit einem dezenten Blütenparfum beduftet, so spaziert diese Französin durch Paris. Halb schwebt sie noch in Erinnerungen an den Urlaub, halb nimmt sie wieder ihre vertraute Umgebung wahr. Es ist schön, wieder in der vertrauen Umgebung zu wandeln, den vertrauten Duft zu riechen und wieder das Gefühl der Heimat zu haben.

 

In Paris herrscht gerade Frühling. Es ist nicht so warm, wie es am Indischen Ozean war, aber doch schon so, dass man nicht frieren muss. Die Sonne scheint einem auf die Nase und man freut sich, dass der Wind sanft mit dem Haar spielt. Ein ganz zarter Blütenduft liegt in der Luft und geht mit der Lilie, die mit dem Resten der Sonnencreme magisch verbunden wirkt, eine Liaison ein. Schließlich ist der Frühling die Zeit der Liebe, da verbinden sich auch Blumen.

 

Die Frühlingsgefühle sind aber auch auf den Strassen klar sichtbar. Überall frisch verliebte Paare. Hier werden Händchen gehalten, dort Küsse ausgetauscht. Und die, die alleine durch die Gassen wandeln, missgönnen den Verliebten nicht ihr Glück, sondern lächeln still in sich hinein, weil sie wissen, dass sie auch bald von Amor heimgesucht werden.

 

Passend zu dieser Leichtigkeit und den Frühlingsgefühlen schweben auch alle Duftnoten. Die Weißblüher erdrücken nichts und niemanden. Der Hauch von fremden Stränden liegt klar wahrnehmbar in der Luft, scheint aber gleichzeitig wie ein Traum zu sein, wie eine schöne Erinnerung. Der Monoi-Öl Düft mit einem Hauch von Kokos. Man weiß nicht, ob man ihn wirklich riecht oder ob man ihn riecht, weil man schon so häufig das Öl in der Nase hatte, es die letzten Tage so häufig benutzt hat. Gleichzeitig Leichtigkeit, Spritzigkeit, einfach das pure Leben.

 

Unsere Französin lassen wir weiterhin durch die Strassen wandeln. Sie wird noch ein wenig die Eindrücke von Paris in sich aufnehmen, bis sie zu einem Haus kommt. Dort wird sie klingen, man wird ihr öffnen und sie wird dann endgültig zu Hause sein. Denn dort darf sie an dem Ort sein, an den sie sich selbst im Urlaub hingeträumt hat – in den zärtlichen Armen ihres Geliebten.


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