Erik Kormann


Kulturwissenschaftler, ein spannender Lebensweg und dann Besitzer des Shops 1001 Seife in Berlin in den Hacke’schen Höfen. Zudem ein Mensch mit einem Blick für das Schöne und einer Vorliebe für gut riechende Dinge, die sich auch in seinen Seifenkreationen und in seiner Tätigkeit als Blogger zeigte.

 

Als er dann eines Tages ein Weihrauchöl erhielt, war es um ihn geschehen – damit musste etwas gemacht werden. Und so entstand das erste Parfum von ihm, welchem noch viele folgten. Und an all diese wird ganz bescheiden der Anspruch gestellt, einfach nur gut zu riechen und angenehm zu sein. Was auch mehr als gut gelungen ist.


August

(Copyright J. Zarth)
(Copyright J. Zarth)

August ist für mich der Monat der Eaus. Gerne greife ich zu irgendwelchen Colognes, die man immer wieder großzügig aufsprühen kann, die erfrischen, die einfach angenehm für Temperaturen jenseits der 35°C sind.

 

Habe ich im Juli noch eine gewisse Freude daran, orientalische Parfums endlich einmal unter Bedingungen, für welche sie geschaffen wurden, tragen zu können, so ist diese im August merklich geringer geworden. An manchen Tagen will ich einfach nur einen frischen Hauch, der nicht zu banal ist, sondern schön angenehm. Bitte nichts, das beschwert, zu auffällig ist, meine Nase fordert. Und auch nichts, was sich mit der Überdosis an Deo oder Parfum, welches dann manche Leute als adäquaten Ersatz für gute Körperhygiene ansehen, mischt und eine unsagbar stinkende Duftwolke erzeugt.

 

Doch an manchen Tagen sind Eaus eindeutig zu spröde. Da hätte man trotz all der Hitze lieber etwas Schmeichelndes. Die üblichen Parfums für solche Fälle kommen jedoch zumeist nicht in Frage, da sie einen zwar einhüllen, doch in eine Wolldecke, und somit viel zu sehr wärmen. Man möchte gar keine Stoffschicht, sondern lieber ein wenig Creme, die die Haut bedeckt, sie pflegt, doch so schön einzieht, dass es nicht unangenehm ist. Eben diese erhält man in der Basis von August. Doch von Beginn an.

 

Die Kopfnote präsentiert sich erst sehr grün und Neroli ist deutlich zu erkennen. Jedoch verweilt dieser Akkord nicht allzu lange und wird schon sehr bald durch eine schöne Mandarinennote abgelöst. Im Gegensatz zur Neroli-Note haben diese nichts Grünes mehr an sich. Vielmehr sind es erst grünliche Mandarinen, die reifen und dann in ein cremiges Mandarinen-Eis übergehen. Kein Sorbet, sondern Eiscreme mit einem hohen Anteil an Rahm. Dies mag Moschus geschuldet sein, welcher beständig präsent ist und alles cremig werden lässt. Die Mandarinen-Note hält für überraschend lange und erst nach längerer Zeit zeigt sich die Herznote ohne Mandarine, jedoch mit dezent fruchtigen und blumigen Anklängen. Immer noch alles in Moschus gebettet und umspielt vom Duft von Hedione.

 

Gegen Ende wird immer deutlicher, dass hier nicht zu knapp Iso E Super verwendet wurde. Eben diese Iso E Super-Moschus-Mischung hält sich bis zur Basis und bleibt dabei cremig. Moschus riecht dabei nicht wie die typischen weißer-Moschus-Düfte und ist erst recht nicht animalisch. Vielmehr ist es ein Wattewölkchen-Creme-Moschus mit Iso E Super. Eher der Duft einer Körpercreme, weniger ein Parfum. Ein Kosmetika-Duft, der in dieser Basis des Parfums vorhanden ist, von sehr guter Haltbarkeit. Passend für heiße Tage, wenn man sich nicht näher mit dem Aufbau eines Parfums beschäftigen will, sondern nur Ruhe und einmal keine nur grünen Noten wünscht.

 

Die klassische Handschrift von Kormann, der von sich behauptet, kein Parfumeur zu sein, sondern lediglich etwas zu kreieren, was gut riecht – und eben dies gelingt ihm mit August.

 

September

(Copyright J. Zarth)
(Copyright J. Zarth)

Wie könnte es auch anders sein. Auf August folgt September. Dies ist nicht nur im Kalender so der Fall, sondern auch bei den Parfums der Monatsserie von Erik Kormann.

 

September beginnt dort, wo der August endet. Statt einer zu Beginn noch grünen und dann erst reifenden Mandarine geht es im September mit Orange los. Diese Orange ist schon sehr reif und das Fruchtfleisch süß. Eben diese Süße dominiert den ersten Eindruck. Dass es nicht zu süß wird, dafür sorgt jedoch sogleich die Orangenschale und auch ein wenig Grapefruit, wobei diese immer dominanter wird. All dies erlebe ich mich als fruchtig denn als frisch. Es hat vielmehr eine umhüllende Komponente und ist für mich vor allem eines: orange.

 

Diese Phase ist für mich ein Sonnenuntergangs-Picknick-Duft. Er fängt durch seine orange Färbung perfekt die Stimmung ein, die dann herrscht. Gleichzeitig ist er nicht zu präsent, um die Aufmerksamkeit des Trägers vom Sonnenuntergang, dem Partner und dem Picknick abzulenken, sondern lediglich die Situation zu untermalen.

 

Für meine Nase geht der Duft von der langhaltenden Orangen-Kopfnote direkt in eine Javanol-Basis über. Gut, da sind ein paar ganz, ganz dezente Blümchen. Sehr schön, aber eigentlich nicht allzu stark präsent. Javanol ist viel wichtiger, schließlich ist September um es gebaut worden. Vielleicht wurde September ja auch nur erschaffen, um Javanol verwenden zu können – dies könnte man Herrn Kormann durchaus unterstellen.

 

Also: Javanol. Dieser synthetische Riechstoff, oft als Sandelholz-Akkord eingesetzt, der so viel mehr ist als Sandelholz selbst. In diesem Fall kein Ersatz, weil Sandelholz nicht vorhanden war, sondern bewusst eingesetzt. Wie es riecht? Ich empfinde es nicht als Sandelholz-Geruch, schon gar nicht in dieser Interpretation. Die Basis hat etwas von fruchtigen Anklängen, holzigen Noten und einen leicht blumigen Hauch. Dazu kommt noch ein Anflug von ambrierten Noten und etwas Moschus. Auch hier ist Moschus frei von allen animalischen Komponenten, sondern packt alles vielmehr in eine wundervolle, große Wattewolke. Und diese orange Wattewolke bleibt bestehen. Für mich eigentlich kaum mehr ein Parfum, sondern eher ein Wohlgeruch. Es wäre schön, wenn durch den Sonnenuntergang orange erscheinende Wolken so riechen würden.

 

Der Creme-Akkord von August hat hier in September eine Entsprechung in eben diesem Wohlgeruch gefunden. Es ist einfach angenehm. Auch kuschelig, aber auf eine andere Art. Nicht mehr für über 35°, sondern auch für kühlere Tage. September wärmt, so wie es auch die Strahlen der Septembersonne tun. Nicht mehr so, dass sie die Haut verbrennen, sondern so, dass man sie genießt. Dass man sie besonders genießt, weil man weiß, dass man sie in Zukunft so schnell nicht mehr fühlen wird.

 

Um es kurz zu machen: Wer August mag, findet in September eine schöne Fortsetzung für die nicht mehr so heiße Jahreszeit und wunderschöne orange Wattewolken.

 

November

(Copyright J. Zarth)
(Copyright J. Zarth)

November lernte ich im August kennen. Zwar konnte ich damals schon erahnen, dass es ein schönes Parfum ist, doch wirklich beurteilen konnte ich es nicht. Temperaturen jenseits der 35°C liessen nur Urteile im Stil von "Schön, aber ich will jetzt was anderes" zu. "Anderes" stand damals generell für ganz dezente, frische Parfums. Und für Glace und kühle Getränke ebenso.

 

Doch das ist eben der Sommer. Sonnenschein, Glace, Cocktails am Abend in der Strandbar, nur wenig Kleidung und Nächte, in denen der Tag erst so richtig beginnt.

 

Werden jedoch die Tage kürzer, muss man bereits bei Dunkelheit aufstehen und kommt auch erst wieder in der Dämmerung nach Hause, so ändert sich vieles. Auch die Temperaturen sinken, es gibt häufiger Regenschauer, ein harscher Wind bläst einem häufig entgegen, wenn man das Haus verlässt, und an manchen Tagen möchte man sich einfach nur unter der Decke verkriechen, da sich all dies auch auf die Stimmung schlägt.

 

An eben solchen Tagen braucht es Dinge, die das Leben schöner machen. Dass für mich dazu eine Tasse heisse Schoggi und sämtliche Schokoladen-Varianten zählen, ist kein Geheimnis. Dass ich ebenso gerne passende Parfums für solche Gelegenheiten mag, auch nicht.

 

Unter passende Parfums fallen für mich zwei Dinge: einerseits viel zu süsse, nach Essen riechende oder sehr vanillige Düfte. Gute Laune ist mit jenen garantiert. Jedoch hat auch frau nicht jeden Tag Lust, so zu riechen. Und manchmal will man doch auch eine gewisse Seriosität ausstrahlen.

 

November trägt wieder die Handschrift von Kormann, die sehr angenehm ist: auf Wohlgeruch reduziert. Dies bedeutet in diesem Fall die Kombination von Kardamom und Iris zu Beginn. Eine schön pudrige Note, die durch Kardamom Wärme bekommt und die spröde Art, die ihr sonst häufig eigen ist, grossteils ablegt. Dann einfach nur balsamisch. Weihrauch im Kormann-Style. Und eine ganz, ganz dezente Schokoladennote. Erinnert an hochprozentige Bitterschokolade. Ohne zugesetzte Vanille oder Palmfett, sondern einfach nur dunkle Schokolade. Herb, man kann kaum mehr als ein Stück von ihr essen, aber dennoch ein unvergleichlicher Genuss, der nichts mit der günstigen Milchschokolade aus dem Supermarkt gemeinsam hat.

 

Kormann-Weihrauch mit mehr wärmenden Noten. Etwas würziger und mit etwas sehr dunkler Schokolade. Dennoch ist November keineswegs überladen. Vielmehr ist er in einer angenehmen Art und Weise nicht fordernd. Kein Feuerwerk an Noten, sondern er ruht in sich. Was man sich von einem Parfum von Kormann erhoffen darf - mehr ein Wohlgeruch für sich selbst als ein Parfum für die Umwelt. Will keine Aufmerksamkeit, sondern gibt einfach nur Wärme und Geborgenheit. Ganz altruistisch.

 

November zählt sicher zu den Düften der warm einhüllenden und streichelnden Kategorie, die auch ein zurückhaltendes Auftreten haben und sophisticated sind. Passend für alles. Erst ein wärmender Begleiter nach dem Aufstehen, dann ein sanfter Kamerad durch den Arbeitsalltag und dann ein liebevoller Partner am Abend.

 

Dezember

(Copyright J. Zarth)
(Copyright J. Zarth)

Vieles gibt es, das man mit dem Monat Dezember verbinden kann. Ganz prominent wäre da etwa Weihnachten. Auch gibt es noch Silvester. Davor die lange Zeit des Kekse Backens und der Weihnachtsmärkte. Somit sind es vor allem sehr warme, süßliche, ja beinahe klebrige olfaktorische Assoziationen, die man mit Dezember verbindet.

 

Denke ich an den Monat Dezember, so denke ich auch daran, dass es der Monat ist, in welchem der Weg ins Fitnessstudio beinahe unmöglich erscheint. Mal ist das Wetter eigentlich viel zu schlecht. Es ist viel zu grau, zu kalt, einfach allgemein zu alles. Und außerdem ist es ja auch viel, viel schöner zu Hause in der Küche zu stehen und Kekse zu backen. Oder zu Hause zu sitzen und Kakao zu trinken. Oder mit Freunden auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. Hat man im Sommer noch die Motivation, regelmäßig Sport zu machen, empfindet man sogar Freude daran, so ist diese im Winter oft spätestens bei der ersten Erkältung verschwunden. Es ist doch viel schöner, auf der Couch zu sitzen. Neben einem sitzt dann immer der innere Schweinehund, welcher alle Anflüge von schlechtem Gewissen erfolgreich in die Flucht schlägt und der Wache hält, dass sich auch ja nicht ein Hauch von Motivation nähert.

 

Ein nicht unwesentlicher Faktor daran ist für mich auch, dass ich mich nicht mit einigen Sprühern eines motivierenden Parfums einsprühen kann. Zumeist ist es so, dass diese den Schweinehund in die Flucht schlagen und sogar so motivieren, dass jener einige Zeit nicht wagt, sich einem wieder zu nähern. Doch die zitruslastigen Düfte, welche mich in den Sommermonaten anspornen, sind mir im Winter viel zu kalt. Alleine der Gedanke an das Aufsprühen von jenen bewirkt, dass ich friere.

 

Doch eben hier kommt Dezember ins Spiel. Dezember ist für mich der perfekte Sport-Duft für den Winter. Eine leicht zitrische Kopfnote, die jedoch keinen Frischeschock verleiht, da sie dafür zu weich ist. Dann geht es frisch, würzig, pfeffrig weiter, doch entbehrt all dies nicht einer gewisser Wärme, die in der Basis noch deutlicher zum Vorschein kommt. Vordergründig zwar frisch, doch nicht so, dass man sich daran erkälten könnte, sondern lediglich so, dass man den Kopf frei bekommt, dass man Motivation erhält. Nur der Schweinehund mag dieses Parfum nicht. Er verkriecht sich ganz sauer in eine Ecke und schmollt.

 

Egal, ich finde das Parfum angenehm. 12 Inhaltsstoffe, die zusammenpassen, gut zusammengefügt. Ein angenehmer Geruch. Sehr geradlinig, sehr klar. Pfeffer ist das Thema, um welches das Parfum gebaut ist. Dieser wird durch holzige Noten, etwas Warmes, ganz leichte Anklänge an Blüten und Gewürze unterstützt. Genaueres kann man kaum riechen, denn glaubt man etwas klar wahrzunehmen, ist es auch schon wieder weg. Es riecht einfach angenehm. Pfeffer, der nicht in der Nase kitzelt, sondern angenehm ausgestaltet wurde. Patchouli erkennt man in der Basis, jedoch frei von Gothic-Anklängen, dazu noch etwas Rose. Moschus ist ständig präsent, ohne jedoch wirklich deutlich zu riechen zu sein. Alles ist ein wenig darin

eingebettet, doch er selbst ist nie wirklich Protagonist des Duftes, wenngleich immer da.

 

Auch die Eigenheit Kormanns, Parfums zu kreieren, welche gut riechen, aber keine Geschichten erzählen sollen, kommt hier zum Tragen. Das Parfum fordert keine Aufmerksamkeit. Es will nicht, dass Du ihm zuhörst, sondern es ist für Dich da. Es ist einfach nur angenehm zu tragen. Schließlich will ich vor allem beim Sport keine Geschichtenerzähler, die mich ablenken könnten, sondern lieber etwas, das sich der Gelegenheit entsprechend verhält. Es motiviert, riecht gut und passt sowohl für Sommertage, an welchen man ein klein wenig mehr Wärme will, als auch für den Winter.


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