Lengling

Viele Parfummarken spielen mit Kontrasten, aber Lengling, eine Münchner Parfummarke, geht noch einen Schritt weiter und zeigt, dass nur aus der Balance von Kontrasten eine wundervolle Schönheit und Harmonie entstehen kann. Jedes Parfum besteht aus zwei Noten, die sich gegenüberstehen, LENG und LING, doch die auch gleichzeitig perfekt zusammenpassen.

 

Gründer der Marke sind Ursula und Christian Lengling, die nach vielen Jahren Tätigkeit im Parfumbusiness ihre eigene Marke gegründet haben – eine gute Entscheidung, wie meine Nase findet.


No 5 - Eisbach

(Copyright Lengling)
(Copyright Lengling)

Es gibt so Tage, wo man in der Früh gar nicht aus dem Bett will. Und dann gibt es auch Tage, wo man zwar schon vor dem Wecker aufwacht, aber am liebsten gar nicht das Haus verlassen würde, eben weil man nicht in die Arbeit möchte, da das, was dort auf einen wartet, einem jetzt schon Unwohlsein

bereitet. Ganz egal, ob es Berge von nicht-abgearbeiteter Arbeit sind, Kollegen, die auf einen wütend sind, oder gar Vorgesetzte, mit denen es Unangenehmes zu besprechen gibt.

 

An solchen Tagen möchte man sich dufttechnisch oft gerne in eine süssliche Wolke hüllen, die einem das Gefühl von Geborgenheit gibt. Doch oft traut man sich dies nicht – und dies ist auch gar nicht so schlecht. Fehlt einem doch dann eventuell das professionelle Auftreten, ein gänzlich klarer Kopf und die notwendige Distanz zu allen Dingen. Man will kein Parfum, das einen emotional tröstet, sondern eines, das Leute auf Distanz hält, ebenso wie eventuell nicht so nette Kommentare oder Aussagen.

 

Das sind Tage für Eisbach. Der kühle Aspekt, der im Namen angedeutet wird, bezieht sich nicht so sehr darauf, dass sich das Aufsprühen wie eine kühle Dusche anfühlt, sondern darauf, dass er eine «coole» Wirkung hat.

 

Wie bei allen Düften von Lengling, werden auch hier zwei Aspekte miteinander kombiniert, wobei aus zwei Kontrasten eine Harmonie geschaffen wird. Hier sind es «spritzige Energie» sowie «Weisheit und Harmonie», die ein Dufterlebnis liefern, das nicht nur im Geruch, sondern auch in der Wirkung überzeugt.

 

Die Seite «spritzige Energie» mit ihren zitrischen Noten, Minze und Cassis sorgt dafür, dass man wirklich wach ist. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig, sodass man wirklich Leistung bringen kann. Kein wandelnder Zombie auf Koffein, sondern ein reger Geist in einem fitten Körper.

 

«Weisheit und Harmonie» macht seinem Namen alle Ehre. Einerseits haben wir da Grüntee. Es gibt wohl kaum ein anderes Getränk, das so perfekt wäre, eben da es eine gewisse Art von Ruhe erzeugt, einen die innere Mitte finden lässt, aber eben doch wach macht und den Geist schärft. Dann Lavendel. Klassischerweise zur Beruhigung eingesetzt, in grossen Mengen über längere Zeit jedoch SEHR anregend. Basilikum auch. Das ist die Note, die mich zu Beginn positiv irritiert hat. Man riecht etwas Bekanntes, kann es jedoch nicht gleich zuordnen, da es so schön in die anderen Noten eingewoben ist. Erst

mit Blick auf die Inhaltsstoffe ist klar – das kann nur Basilikum sein. Das beliebte Küchenkraut. Zwar kann man ihm nicht wirklich nachsagen, dass es einen weise oder harmonisch werden lässt, doch hat Basilikum eine Wirkung, die bei Stress nicht zu unterschätzen ist. Es beruhigt den Magen.

 

Oder um es knapper auszudrücken – die zweite Seite ist so eine «relax» und «calm down» Angelegenheit. Insgesamt ergibt es ein «stay cool».

 

Eisbach ist ein Parfum, in das man sich einkuscheln möchte. Kein lieblicher Duft, sondern in einem positiven Sinne ein sehr professioneller Duft. Man legt eine beruflich-distanzierte Attitüde damit an den Tag, lässt weder Menschen noch Kritik zu nahe an sich ran. Zwar kann man mit diesem Parfum sicher keine neuen engen Kontakte knüpfen, doch kann man mit ihm auch nicht so leicht verletzt werden.

 

Kurzum: Eine Lavendel-Zitronen-Grüntee-Mischung, die überaus angenehm duftet und eindeutig ihre Einsatzgebiete hat, wenn es um professionelle Arbeit, fokussiertes Denken und einen kühlen Kopf geht. Wahrscheinlich eben deshalb ein Parfum, das sich in vielen Parfumgarderoben gut macht. Und ganz sicher ein Parfum, an dem man erst weiss, was man an ihm hat, wenn man es eine Weile besitzt – denn dann merkt man, wie gerne man unter der Woche zu ihm greift, eben da es wirklich der ideale Begleiter im Job ist.

 

 

No 6 - À la carte

Dass ich gerne nasche und zu Süssem nicht nein sagen kann, ist ein offenes Geheimnis. Die Situation, dass es bei mir zu Hause nicht

zumindest eine kleine Auswahl verschiedener Pralinen oder Schokoaden gibt, gibt es eigentlich nicht. Und wenn mir etwas in dieser Art angeboten wird, habe ich bislang auch wirklich noch nie abgelehnt.

 

Doch: So schön Gourmands sein können, so fallen sie mich eher in die Kategorie «Wohlfühldüfte» und «Seelenschmeichler». Ich persönlich würde diese jetzt nicht für ein Date oder eine andere romantische Gelegenheit tragen. Dies gilt für Gourmands ganz allgemein: Wenn etwas zum Anbeissen sein soll, dann will ich das im übertragenen Sinn sein – und nicht mein Parfum im wörtlichen Sinne.

 

Glücklicherweise funktioniert auch dieses Parfum nach dem klassischen Lengling-Prinzip. Soll heissen: Zwei kontrastierende Aspekte werden schön harmonisch vereint, quasi Yin und Yang. Doch bevor ich zum wohltuenden Gegenpol komme, muss ich ein paar Worte über die Gourmandnote loswerden: Das ist so eine tolle Pistaziennote! Ernsthaft, so eine tolle Pistazie habe ich noch nie gerochen. Denn es ist nicht dieses Mozartkugel-Marzipan-Pistaziengemisch, auch kein überzuckertes Pistazieneis, sondern Pistazie in Reinform, wie man sie auch ganz selten in Süditalien in Eissalons bekommt. Also ja, Toffee und Vanille sind auch wirklich lecker und rosa Pfeffer schafft eine tolle Balance, würdig einer Dessertkreation eines sehr begabten Patisserie-Meisters. Aber nichts kommt für mich gegen diese Pistazie an!

 

Jetzt zum Kontrast: Eine rauchig-erotische Oud-Interpretation mit Sandelholz und Harzen. Verraucht und verrucht. Die raubt jeglicher Süsse ihre Unschuld und passt somit perfekt als harmonierender Gegenspieler.

 

Auf meiner Haut zu Beginn ein ziemlich heftiger Start mit rauchigen Aspekten, die Gourmandnoten eher im Hintergrund. Werden dann zwar deutlicher, aber nehmen nie so Überhand, dass man nach Essen riecht. Haltbarkeit ist übrigens genial, Sillage angenehm moderat, sodass man nie überrollt wird, sondern die Opulenz auch wirklich geniessen kann. Zwar zu viel, aber nur so viel zu viel, dass es lustvoll ist.

 

Ich muss an wirklich gute Bitterschokolade denken, zeitweise auch an dunkle Pralinen mit Karamellfüllung. Eben durch die rauchigen Aspekte verlieren die Gourmandnoten nicht nur ihre Unschuld, sondern auch ihren süssen Charakter, sodass sie mehr an dunkle Schokolade und edelste Praline-Kreationen erinnern als einfach «nur» an Süssigkeiten.

 

Warum der Name À la carte? Eigentlich ganz einfach. Weil es nicht für Tage ist, an welchen man zum Menü greift. Das Parfum ist eine Hommage an den Überfluss, den Überschwang, das Geniessen, das Leben. Man weiss, was man will, und nimmt sich eben auch das. Sucht sich in der Confiserie nur das aus,

was man will, nimmt aber deutlich mehr, als ein Ernährungsratgeber für gut erachten würde. Denkt nicht daran, dass anderes jetzt sinnvoller wäre. Vergisst, dass Zurückhaltung oft als Tugend gesehen wird (warum eigentlich?), sondern geniesst einfach nur das zügellose Geniessen.

 

No 7 - Sekushi

«Fruchtiger Zucker» - so wird die eine Seite des Parfums «Sekushi» beschrieben. Noch vor kurzem hätte dies in mir einen gewaltigen Fluchtreflex ausgelöst. Denn alles, was nach «niedlich» oder gar «herzig» klingt, geht für mich gar nicht. Herzig sind kleine Kätzchen, die kaum ihre Augen aufbekommen, eventuell noch Welpen oder auch sonstige kleine Dinge – aber wenn etwas nicht herzig ist, dann bin ich dies.

 

Und «fruchtiger Zucker» klingt somit gemeinhin für mich nach etwas, das einfach nicht zu mir passen kann. Nie. Ideal für Teenager, auch noch gut für manch weibliche Wesen knapp über den Teenagerjahren, aber nicht für mich. Noch dazu, wenn man bedenkt, dass Sekushi das japanische Wort für «sexy» ist. Nie.

 

Bis vor kurzem hätte ich also Sekushi nicht einmal eines Riechers gewürdigt, aber auch ich lerne dazu – konkret sind es zwei Dinge, die ich gelernt habe und die dazu führten, dass ich das Parfum unter die Nase nahm. Erstens weiss ich jetzt, dass Lengling Parfums von Kontrasten leben. Somit wird auch hier zum Zucker eine Gegenseite geboten, die sich «Leder» nennt. Das klingt schon einmal spannend, eben da nicht nur mädchenhafte Unschuld, sondern auch Selbstbewusstsein damit verbunden ist.

 

Zweitens habe ich erkannt, dass es manchmal unglaublich Spass machen kann, nicht allzu ernste Düfte zu tragen. Manchmal braucht man auch ein wenig Fröhlichkeit zum Aufsprühen. Nicht Seriosität, Erfolg, Erotik oder sonst etwas, auch nicht Geborgenheit, sondern einfach Unbeschwertheit, Fröhlichkeit und gute Laune. Dass man Parfums auch nicht so ernst nehmen darf.

 

Warum soll man nicht einen Tag lang einfach ganz mädchenhaft riechen, auch wenn dies eigentlich nicht zu einem passt? Es gibt Tage, an welchen man dem durchaus etwas abgewinnen kann – und daher soll man es machen. Wie (wenn es die Schuhe erlauben) einfach einmal bei Regen in eine Pfütze hüpfen, dass das Wasser spritzt. Oder sich Zuckerwatte kaufen.

 

Somit empfinde ich Sekushi als ziemlich perfekt. Was heisst ziemlich? Eigentlich ganz perfekt. Denn einerseits wird mir dieses Gefühl der Freude, der Unbeschwertheit und der kindlichen Heiterkeit vermittelt, das manchmal so guttut. Andererseits gleitet es nie in etwas ab, das man in der Öffentlichkeit nie tragen könnte, ohne schief angeschaut zu werden – oder sich gar die Frage anhören zu müssen, welchem kleinen Mädchen man denn das Parfum gestohlen hat. Durch die Ledernote gewinnt es einen durchaus erwachsenen Aspekt, auch durch das Patchouli in der Basis.

 

Zudem: Wenngleich so zuckrig-süsse Düfte meist nicht als allzu erotisch gelten, ist es hier doch anders – und somit erfüllt sich auch das Versprechen, das der Name gibt. Einerseits bringt das Zusammenspiel dieser zwei Noten ein schönes Bild der unschuldigen Verführerin mit sich. Das zarte Wesen, das aber genau weiss, was es will und wie es dies bekommt. Und andererseits eine Frau, die sich mit ihrem Duft wohlfühlt, glücklich ist, auch für Spässe aufgelegt und für Scherze zu haben ist. Und es gibt nur wenige Dinge, die erotischer sein können, als solch eine Ausstrahlung.


(Copyright Lengling)
(Copyright Lengling)