Mancera

Die Marke „Mancera“ wurde im Jahr 2008 von „Al Athar“, einem sehr großen Distributeur im Bereich Parfums in der arabischen Welt, gegründet. Das Team von „Montale“ und andere bereits sehr erfahrene Leute wurden ausgewählt, um Parfums zu kreieren und zu vermarken, die weltweit Erfolg haben können.

 

Von Beginn an distanzierte man sich klar von typisch-orientalischen Parfummarken. Vielmehr wollte man mit typischen Inhaltsstoffen der arabischen Parfumkultur westliche Parfums mit der für arabische Parfums typischen Intensität und langen Haltbarkeit kreieren.
Diese Kollektion soll nicht nur die westliche Käuferschicht ansprechen, sondern auch in den arabischen Ländern, in welchen westliche Parfums immer beliebter werden, Erfolg haben.

 

Herausgekommen ist eine Kollektion von Parfums, die einen zwar nicht zu Begeisterungsstürmen veranlassen und nur selten überraschen, jedoch sehr alltagstauglich, überaus schön und fast immer passend sind. Vielfältige Oud-Variationen werden angeboten: Manchmal sehr klassisch, doch auch gänzlich Neues ist in diesem Bereich dabei. Die Verwandtschaft zu Montale ist nicht zu überriechen, doch kann dies nicht als Nachteil gesehen werden, da somit dem Konsumenten zwei Varianten eines Themas angeboten werden und er sich für die, welche seiner Nase besser gefällt, entscheiden kann.

 


Gold Intensive Aoud

Dass Mancera sehr eng mit Montale verwandt ist, hat sich wohl schon herumgesprochen. Und ja, dies kann ich nur bestätigen. Doch darauf möchte ich in diesem Kommentar nicht eingehen, sondern mit dem Duft als ein eigenständiges Werk widmen, ohne ihn mit anderen zu vergleichen.

Gold Intensive Aoud startet laut Pyramide mit Morgentau und Zitrone. “Morgentau” klingt sehr malerisch und zählt zu meinen liebsten Fantasienoten. Die Zitrone ist im Gegensatz zum Morgentau aber tatsächlich wahrnehmbar. Keine Offenbarung von Zitrone, aber sehr schön, weder bitter noch süß, nur angenehm frisch, zudem sehr kurzlebig. Dann folgen Rose, Safran und Hölzer, unter jenen wohl auch Oud. Gegen Ende wird der Duft weicher, anschmiegsamer, weniger holzig.


Nun könnte man aufstöhnen und “Nicht noch eine Rose-Oud-Kombination” seufzen. Denn ja, eben damit wird der Markt momentan überschwemmt. Dennoch bin ich der Meinung, dass Mancera hier etwas Großartiges gelungen ist.

Erst einmal zur Rose. Wir haben hier nicht die “dreckige Rose”, die wir aus so vielen Oud-Düften kennen. Auch haben wir keine “Phantomrose”, die sich schon bald verängstigt zurückzieht und dem Oud die alleinige Bühne überlässt. Wir haben einfach eine Rose. Zwar zart und nicht allzu raumgreifend, doch immer präsent und einfach nur schön.

Die Oudnoten. Sehr europäisch, nicht animalisch, nicht zu laut, zudem andere Holznoten. Alles gut verwoben, ebenfalls keine Offenbarung, keine große Neuerung, aber einfach wunderschön.

Ebenso eine schöne Basis, die keine Neuerungen bietet, doch einfach angenehm und zum Wohlfühlen ist.

Sillage ist mittelmäßig, Haltbarkeit gut, eindeutig unisex.

Kurzum: Nein, keine weltbewegenden Neuerungen in diesem Duft. Aber man muss das Rad nicht immer neu erfinden, man kann auch einfach ein sehr gute Rad erzeugen. Und eben dies wurde hier gemacht. Ein Oudduft für den Alltag. Dieser Oudduft kann selbst in der Arbeit getragen werden, wenn man in einem Großraumbüro arbeitet. Er lässt seinen seriös erscheinen, wirkt edel, ein wenig distanziert, auf eine sehr positive Art unterkühlt und auch sophisticated, ohne jedoch auch nur ein klein wenig hart zu wirken. Mir persönlich gefällt er besser als alle bürotauglichen Aoud-Düfte von Montale, die ich unter der Nase habe. Er ist so dezent, aber wird nie langweilig, nie eindimensional, sondern ist immer ein schöner Begleiter, der Sicherheit vermittelt.

Wohl auch ein idealer Oudduft für Einsteiger. Keine dominante Oudnote, sondern sehr, sehr dezent im Hintergrund, gepaart mit anderen Hölzern. Zumal zu einem sehr fairen Preis zu erwerben und billiger als so mancher Duft von Chanel und Co in vergleichbarer Menge.

Ein wundervoller Begleiter für untertags, einer meiner Lieblingsdüfte für die Arbeit, zwar kein Abendduft, kein Fortgehduft, aber ein Immergeher im täglichen Leben für mich, nicht neu, nicht atemberaubend, aber in dem, was geboten wird, wirklich unglaublich schön komponiert, edel und ausgewogen.

 

Roses Vanille

Es gibt Phasen, in welchen man einfach einmal die Decke über den Kopf ziehen und die Realität verleugnen möchte. Wenngleich einem bewusst ist, dass dies eine sehr kindliche und unreife Reaktion ist, kann man manchmal kaum anders.

 

Irgendwie wünscht man sich in solchen Situationen kurzzeitig wieder die heile Welt zurück, die es angeblich einmal gab, als man Kind war. Man erfuhr nicht täglich aus den Nachrichten, wie viele Menschen wo umkamen, man hörte nicht täglich Schreckensmeldungen und man musste nicht täglich erleben, wie manche Menschen begierig diese Schreckensmeldungen aufnehmen, um sich an ihren zu ergötzen und sie dann noch mit Feuereifer zu verbreiten.

 

Während auf Facebook immer wieder Zitate zu Liebe und Frieden geteilt werden, wird in der realen Welt intrigiert. Während Staaten immer wieder Friedensgespräche führen, werden neue Waffen entwickelt.

 

Auch Situationen in der Familie oder im Bekanntenkreis, die man nicht versteht. In welchen man sich missverstanden fühlt, schlecht behandelt. In welchen man einfach nicht glauben kann, dass dies die Realität sein soll und lediglich der platte Ausspruch „This is not the life I’ve ordered“ passt.

 

In eben jenen Situationen, in welchen man die Realität einfach einmal kurz verleugnen will, kann man sich entweder wirklich die Decke über den Kopf ziehen oder sich in ein Buch, in ein Musikstück oder sonstiges flüchten – oder man kann Roses Vanille auflegen.

 

Morgentau und Zitrone, die die Duftpyramide als Bestandteile der Kopfnote nennt, sind nicht zu erkennen. Stattdessen geht es mit den namensgebenden Bestandteilen los, welche auch keine großartige Entwicklung durchmachen.

 

Rose – jedoch in Form von Rosenlokhum. Süßlich, klebrig, aber einfach genial. Erinnert an wundervolles, mit Zucker bestäubtes Lokhum, welches man zum türkischen Kaffee bekommt. Schmeckt zwar ein bisschen nach Rose, aber eben vor allem süß. Ist keine besonders raffinierte Speise, aber für Situationen, in welches es einfach nur süß und klebrig sein soll, perfekt. Schöneres Rosenlokhum wird man außerdem bei keiner anderen Marke finden - Mancera beherrscht die Fertigung dessen in Duftform einfach perfekt.

 

Die Vanille hier zu beschreiben, das fällt mir schwer. Erinnert ein bisschen an den „heile-Welt“-Vanillepudding aus Kindertagen. Ist definitiv keine erwachsene, ausgewogene Vanille, wie sie sich etwa in der Basis vieler Guerlain-Düfte zeigt, sondern eine sehr quietische, süße, vergnügte und definitiv synthetische Vanille. Aber die ist so genial gemacht, so überdreht, dass sie schon wieder kunstvoll ist. Nicht einmal die kleinste Ähnlichkeit mit den üblichen synthetischen Vanilledüften, sondern einfach perfekt. Eine sehr verklärte Vanille, wie die perfekte Erinnerung an einen Vanillepudding.

 

Ein wenig weißer Moschus sorgt für eine schöne Basis und verhindert, dass der Duft zu sehr ins Kitschige, zu Süße abgleitet.

 

Ein wenig Ähnlichkeit zu Intense Cafe von Montale (die Verwandtschaft zu dieser Marke ist unüberriechbar) besteht, nur ist dieser Duft nicht so weltgewandt. Wenngleich der Duftverlauf unglaublich ähnlich ist und sich nur durch Nuancen unterscheidet, so ist Roses Vanille eher ein Duft, den man zu Hause für sich trägt, mit dem man aber nicht das Haus verlässt. Roses Musk von Montale ist ebenfalls ähnlich, aber eindeutig der businesstauglichere Duft.

 

Kurzum: Roses Vanille sollte sich in der jeder Sammlung befinden und auf keine Art und Weise lässt sich Eskapismus so schön und stilvoll betreiben wie mit diesem Parfum.


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