Nasengold


Ein junges Hamburger Label, welches sich durch klare, gut zu tragende, aber doch sehr individuelle Parfums auszeichnet. Lebensfreude in Flaschen. Düfte für zu lange Nächten, zu viele Drinks, für Spass, für Überschwang, für Unüberlegtes, das man aber nicht bereut.

 

Nase hinter diesem Dufthaus ist Christian Plesch. Sonst für ein grosses Dufthaus tätig, hat er bei Nasengold die Möglichkeit, bekannte Pfade zu  verlassen, Neues zu probieren und einfach nur seiner Nase nach zu gehen.

 

Das Ergebnis sind Parfums, die, wie auch die Website verrät, von Punkrock, Malerei, Koffein, Kurven und vielem mehr inspiriert sein. Kurzum - Parfums, die Spass vermitteln sollen. Und es auch wirklich machen.

(geniales Foto - freundlicherweise zur Verfügung gestellt von C. Plesch, Copyright bei ihm)
(geniales Foto - freundlicherweise zur Verfügung gestellt von C. Plesch, Copyright bei ihm)


#S

(Copyright Nasengold)
(Copyright Nasengold)

Die Parfums der Marke Nasengold stellen mich vor eine Herausforderung. So gerne ich Parfumkommentare alphabetisch ordne, so sehr machen diese mir das unmöglich. Denn was kommt bitte zuerst? «#» oder doch «:»? Und kommen diese Sonderzeichen vor oder nach den Buchstaben? Soll ich nun Google befragen, was wo zu stehen hat? Oder doch die Parfums einfach nach dem Zeitpunkt des Erscheinens ordnen?

 

Netterweise existieren diese Probleme und Fragen nur so lange, bis man den ersten Sprüher von #S aufgelegt hat. Dann sind diese Dinge so was von egal. Nicht ohne Grund steht #S für «sprudelnd», «sexy» und «spritzig», wie die Website so schön verrät. «Spritzig» ist ein schönes Synonym dafür, dass das Parfum nicht nur von seiner Zusammensetzung her aus Alkohol besteht, sondern auch danach riecht. Denn in eine durchaus typische Kopfnote für allseits gefallende Düfte (Zitrusfrüchte in Kombination mit Ingwer und Pfeffer) wurde eine Weinhefe-Note gemischt. Somit nichts mit typisch, sondern vielmehr her mit Bier!

 

Auch geht es so weiter. Irgendwie kennt man alles. Da blüht es zart in der Herznote und in der Basis wird mit Amber und Moschus gekuschelt. Nichts Neues, davon leben die grossen Parfummarken, das gefällt jedem, doch ist einem, wenn man erst mal die Welt der Nischendüfte für sich entdeckt hat, nicht mehr genug.

 

Das «nicht genug»-Problem hat man hier nicht. Denn man bekommt dazu Bier und Wein serviert, ausserdem Leder in der Basis und irgendetwas raucht da auch vor sich hin. Und ja, irgendwie hat es da auch körperliche Aspekte, die deutlich über das herausgehen, was sonst Iso E Super so kann (genauere Ausführungen dazu überlasse ich der Fantasie der Leser).

 

Würde ich das Parfum nicht gerade tragen, ich würde anführen, dass mir diese originelle, individuelle Gestaltung eines klassischen Schemas gefällt. Sie knüpft an Bekanntes an, ist angenehm zu tragen und spielt so schön mit dem Aufbau, der heute vielen verbreiteten und beliebten Parfums eigen ist. Ausserdem zeigt das Parfum auf, welch Kombinationsmöglichkeiten von Noten möglich sind und wie das Zufügen einzelner Noten den Charakter eines Parfums verändern kann.

 

Doch da ich es trage, muss ich auf deutlich weniger elaborierte Ausführungen zurückgreifen: Die Verbindung dieser Unbeschwertheit mit Sexyness  (keine gestylte, sondern eine natürliche, wie sie etwa verwuschelte Haare oder eine unkomplizierte Art haben) ist so was von gelungen. Das macht einfach Spass, ist genial und ich lass jetzt das Schreiben sein. Klar, ich sitze an einem Parfumkommentar und will eigentlich meine Leser informieren, aber was kann ich dafür, wenn #S dazu aufruft, einfach zu leben, sich nicht den Kopf zu zerbrechen, sondern einen ganz unbeschwerten Rausch in welcher Hinsicht auch immer zu erleben? Würde ich dem nicht gleich folgen, dann wäre da ja was falsch.

 

Also, ich bin dann mal weg… Cheerz!

 

:P

(Copyright Nasengold)
(Copyright Nasengold)

Als Frau wird man meist in dem Glauben sozialisiert, dass man nach Blümchen riechen soll. Diese ziehen zwar bewiesenermassen Bienen an, doch ob sie bei Männern ebenso toll wirken, das sei dahingestellt. Wahlweise kann man auch nach Süssem riechen, am besten Vanille. Auch hier: Klar nascht man das gerne, doch eher eben in Form von Süsswaren, nicht zwingendermassen in Form von Frauen.

 

Das P steht ganz klar für Pfeffer, der hier nicht nur dezent in der Kopfnote eingesetzt wird, um die Nase zu kitzeln, sondern durch das ganze Parfum. Keine Sorge, keine Niesattacken und auch keine brennenden Augen sind zu befürchten, sondern viel eher das Feuer, das in scharfen Speisen innewohnt. All der Pfeffer zeigt sich mit Holz. Viel Holz. Keine altmodische Holzvertäfelung mit Intarsien und anderen merkwürdigen Dekorationen, sondern ganz clean, reduziert, modern, doch hochwertig. Dazu noch etwas Amber, sodass das Holz nicht in Versuchung  kommen kann, spröde zu wirken.

 

Mehr braucht es nicht, um etwas zu schaffen, das aus wenigen vertrauten Noten eine neue Duftexplosion entstehen lässt, die genial ist. Blumen? Vanille? Vergiss es! Minimalismus und vor allem Pfeffer wird eindeutig unterschätzt, wenn es um Parfums – besonders für Frauen – geht. Wir wollen ja schliesslich nicht unter einem Blumenbouquet begraben liegen, sondern uns ins Leben stürzen, lachen, lieben, tanzen, feiern und noch viel mehr.

 

:P ist ein Parfum für Frauen, die sich auch mal auf ein Chili-Wettessen mit Männern einlassen. Die tanzen, ohne Angst zu haben, dass sie schwitzen oder ihre Mascara verwischen könnten. Die ungeschminkt zum Sport gehen, da sie nicht für Selfies trainieren, sondern wirklich für sich.

 

Und klar, es ist auch ein Parfum für Männer. Am besten für welche, die eben auf den oben genannten Typ Frauen stehen. Denen Pferde stehlen zu langweilig ist, sodass sie lieber Pinguine oder Erdmännchen aus dem Zoo entführen. Die in einer total sympathisch und authentischen Art originell und original sind. Mit denen man nicht nur gerne eine feucht-fröhliche Nacht verbringt, sondern auch den verkaterten Morgen danach.

 

Zudem – das Highlight kommt natürlich immer erst am Schluss – bietet :P etwas, das all die anderen Düfte nicht können. Wenn man nach dem Parfum, welches man trägt, gefragt wird, kann man natürlich ganz brav «Doppelpunkt P» antworten. Oder wählt den spannenderen und für dieses Parfum eventuell auch passenderen Weg. Man streckt dem Gegenüber einfach die Zunge heraus und wartet auf dessen Reaktionen… Erfordert zwar eventuell ein bisschen Mut, aber so ein Erlebnis ist einfach unschlagbar. Und ein klein wenig mehr Mut schadet ja nicht immer. Somit: Ausprobieren und enjoy!

 

/L

Ich will nur eine mit Herz, Kopf, Arsch und Pepp.
Draußen Prinzessen und ein Freak in meinem Bett.
Ein klein bisschen Lady, ein klein bisschen Gaga
So was fänd’ ich voll perfekt.

Wenn es ein Parfum gibt, welches perfekt zu diesen Lyrics ("Wildes Ding" von Culcha Candela - wer es nicht kennt: Jetzt wäre die ideale Gelegenheit, diese Seite kurz zu verlassen und ihn sich anzuhören; aber dann bitte zurückkommen und weiterlesen) passt, dann ist es eindeutig /L.

/L – wie LUXUS, LENZEN und LASTER - passt zwar super für Männer, aber ich kann nicht anders, als eben die weibliche Perspektive darauf zu bieten.

Also ein Duft für wilde Dinger, wie die drei, die in jenem Song präsentiert werden?

Für die Deathmetal-Rockerbraut, die einem mit dem Hocker vom Hocker haut?

Einen idealeren Duft zum Headbangen kann es wohl kaum geben und auch für längere Nächte mit zu viel Akohol (sowie das Aufwachen am Morgen/Nachmittag/Abend danch) gibt es kaum. Er erfrischt mit Mandarine und Ingwer in der Kopfnote sowie einer angenehm leichten Bergamotte, die lang hält. Und die rauchigen Noten in der Basis sowie Vetiver und Wildleder – was könnte sie mehr wollen? Zudem eindeutig /L wie LASTER.

Für die Eso-Hippie Dame, die die besten Hasch-Cookies bäckt?

Zweifelsohne ein Duft, der einen gut in Yoga-Stunden begleiten kann. Abgesehen davon, dass er nicht ganz öko ist und auch chemische Inhaltsstoffe enthält (wie aber wohl deren Yogamatte auch), ist er vom Charakter einfach perfekt. Gechillte Blumen im Herzen und noch dazu Gewürze wie Kardamom (leicht exotisch und Anregung zum Backen) und Thymian (anders und smooth). Eindeutig /L wie LENZEN.

Für die BWL-Jura-Studentin mit Shoppingtick und der Peitsche in der Handtasche?

Oh ja, denn er hält auch lange Shoppingtouren durch, bietet eine sehr elegante Basis mit weissem Amber und Sandelholz. Kann man in jeder Weltstadt tragen, auch in Paris mit seiner traditionellen Parfumkunst ist man damit gut gekleidet, so feine Klinge wird hier geboten. Auch die Orangeblüte sowie die Iris im Herzen werden ihr gefallen. Wirken schön unterkühlt, sind es aber auf den zweiten Riecher nicht. Eindeutig /L wie LUXUS.

Noch zurück zu den oben zitierten Lyrics. Ich finde sie genial. Nicht nur, weil ich denke, dass sie das, was viele Männer suchen, in ganz einfache Worte fassen. Sie zeigen auch das, was wir in so vielen Bereichen suchen: Ganz verschiedene Aspekte, die idealerweise zusammenkommen. Und Gegensätze, die sich nicht ausschliessen. Zudem noch scharf, intelligent und für jede Verrücktheit zu haben. Und vor allem Spass, nicht alles zu ernst nehmen, das Leben geniessen. Sich auch mal pointiert auszudrücken und für Lacher zu sorgen.

Eben das findet man in diesem Duft. Er macht unglaublich Spass und nimmt sich nicht zu ernst. Denn egal, ob für Tage, wo man ladylike erscheinen muss, doch die Rebellin in sich noch ein wenig fühlen will, oder wenn man den Freak zulässt, doch auch die Prinzessin noch ein wenig besänftigen will: /L fänd ich einfach voll perfekt dafür.


(Copyright Nasengold)
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