Parfumerie Générale

(Copyright Pierre Guillaume)
(Copyright Pierre Guillaume)

Parfumerie Générale - PG. Ein Spiel mit den Initialen der Nase hinter der Linie, Pierre Guillaume, welcher 2002 seinen ersten Duft kreierte und seitdem immer wieder mit neuen Duftkreationen überrascht. Viele sind merkbar von seinem Studium der Feinchemie inspiriert, alle liefern wundervolle Erlebnisse für den Geruchsinn.

 

Durch das minimalistische, jedoch gleichzeitig sehr elegante, Design der Flakons sowie der Verpackung lenkt nichts vom Eigentlichen ab - vom Duft selbst.

 

Neben der Collection Numéraire gibt es auch die Collection sur Invitation, die mit noch komplexeren Kreationen überzeugt, sowie die Collection Rework, die aus Neuinterpretationen von Düften besteht, welche die ursprüngliche Kreation auf ein neues Level bringen.

 


Musc Maori No.04

(Copyright Pierre Guillaume)
(Copyright Pierre Guillaume)

Als ich vor kurzem Abends durch die Stadt spazierte, kam ich auch an einem kleinen Laden vorbei, welcher T-Shirts mit allen möglichen und unmöglichen Aufdrucken und Aufschriften anbietet. Eines davon war ein T-Shirt mit der Aufschrift "Augen zu und tanzen". Irgendwie sehr platt, aber da ich zuvor etwas Wein getrunken hatte und just in jenem Moment Musik hörte, probierte ich es aus. Augen zu und einfach einmal zur Musik tanzen.

 

Lange hielt ich es nicht aus, da mich dann ein "Was mache ich denn hier?!" in die Realität zurückholte. Es war eine anerzogene, die man gemeinhin als die "Stimme der Vernunft" bezeichnet, die aber eigentlich vielmehr eine Stimme der Erziehung ist. Man tanzt nicht einfach so.

 

Aber warum eigentlich? Gut, man riskiert es, merkwürdig angesehen zu werden. Aber irgendwie macht es doch auch Spass. Und so manch ein verwunderter Blick, den man dabei erhalten mag, mag weniger von Verwunderung als von Bewunderung geprägt sein. Immerhin traut man sich etwas. Ist anders als die anderen. Macht das, was einem gefällt. Und schafft sich im Alltag, der häufig ernst ist, einen kleinen Freiraum.

 

Wenn wir ehrlich sind, sind es doch eben diese Dinge, die uns ganz gut gefallen. Auch wenn wir es nicht offen zugeben würden. Einfach einmal tanzen und so tun, als würde niemand zu sehen. Lautstark zur Musik aus der Stereoanlage singen. Schokoladeneis so zu essen, dass danach der ganze Mund klebrig ist. Auf der Schaukel vom Kinderspielplatz schaukeln.

 

Lassen wir das "Was könnten andere denken?" und auch das "Ich bin erwachsen!" beiseite, so gibt es unzählige Dinge, die einfach schön sind.

 

So auch bei Parfums. Eine Frau muss keinen klassischen Duft tragen und seriös wirken. Auch keinen blumigen oder süsslichen, um verführerisch zu wirken. Sie darf auch einmal etwas tragen, was sie witzig findet. Was ihr Spass macht. Ohne auch nur eine Sekunde daran zu denken, was ihr Umfeld dazu sagen könnte. Ob es ein Mann zu wenig erotisch ansehen und ob es die Arbeitskollegin als Grund für eine Lästerei nehmen könnte.

 

Eben da kommt Musc Maori ins Spiel. Die Blumen in der Kopfnote, die können nur alibihalber angeführt sein. Damit zumindest eine Komponente des Dufts angeblich da ist, die so halbwegs normal erscheint. Denn sie haben keine Chance, gehen unter. Es riecht nach Kakao. Genauer zu spezifizieren fällt schwer. Ich denke an Truffes, die mit Kakaopulver bestäubt sind, und dann so herrlich im Mund zergehen. An dickflüssige heisse Schokolade, die beinahe schon die Konsistenz von warmen Pudding hat. An Schokofondue. An Kakao mit Marshmallows.

 

Von edel bis einfach nur eine schöne Erinnerung, alles in Bezug auf Schokolade ist dabei. Eigentlich ist es viel zu viel, doch wie man es als Kind toll fand, wenn man viel Schokolade essen durfte, so ist es auch jetzt. Manchmal ist mehr eben mehr. Und weniger würde diese herrliche kindlich-unbeschwerte Aura des Duftes zerstören.

 

Neben Kakao kann man auch Tonkabohne und weissen Moschus wahrnehmen. Nicht wirklich als eigenständige Komponenten, sondern sie machen alles nur noch süsser und gourmandiger.

 

Musc Maori ist nicht anspruchsvoll in einem engeren Sinne. Er ist linear, ein Gourmand und wirklich relativ einfach aufgebaut. Er ist aber anspruchsvoll in dem Sinne, dass er unglaublich viele süsse Eindrücke in sich vereint. Dass er so übertrieben schokoladig-kakaoig ist, dass er ein wahrer Nischenduft ist. Er nimmt sich selbst nicht ernst. Macht einfach nur Spass. Spielt mit allen Duftkonventionen und wirft sie über Bord.

 

Augen zu und geniessen. Und dies auch zulassen. Egal was der Verstand oder sonst wer sagt. Macht Spass - wirklich.

 

Djhenné No.22

(Copyright Pierre Guillaume)
(Copyright Pierre Guillaume)

Ein warmer Schatten. Ein Spaziergang durch eine Oase. Inspiriert von einer Stadt in Mali.

 

Als Konsumenten sind wir es ja gewohnt, dass man uns gewisse Träume verkaufen will und man uns deshalb auch einiges erzählt, was nicht der Wahrheit entspricht.

 

So auch hier: Pierre Guillaume lügt seine Kunden ganz schamlos an. Wenn er dabei wirklich an den warmen Schatten in einer Oase gedacht hat, dann wäre ich mehr als verwundert. Djhenné erinnert zwar daran auch entfernt, doch vor allem riecht es nach einem sehr vielversprechenden Sommertag.

 

Nein, da habe ich mich jetzt nicht konkret genug ausgedrückt. Also, um es  direkt zu sagen: Djhenné riecht nach leicht gebräunter, sonnenbeschienener Männerhaut. Eindeutig ein sportlicher Typ, aber nicht zu sehr trainiert. Jung, unbeschwert, schöne Züge.

 

Es ist ein Spätnachmittag in Frankreich. An der Küste, am Meer. Noch vor wenigen Minuten war seine Haut feucht vom Meerwasser, aber durch die hohen Temperaturen ist sie schon fast wieder trocken. Nur noch wenige kleine Tropfen Meerwasser, aber der dezente Geruch von Salz ist noch da.

 

Es ist keine überlaufene Küste. Im Hintergrund befinden sich keine Hotels, sondern Felder. Man kam mit dem VW-Bus dorthin, mit Surfbrettern. Irgendwo im Nirgendwo. Ein leichter Geruch von Lavendel und Weizen. Nur ganz, ganz

dezent.

 

Vielleicht liegt es daran, dass man frei hat. Kein Leben auf der Uni. Kein Hasten von Vorlesung zu Vorlesung. Keine Nachmittage und Abende in der Bibliothek. Kein Lernen für Prüfungen, keine Anspannung für denen.

 

Nein, alles ist abgefallen. Das ist wohl auch der Grund, warum man sich hier einfach in den Armen liegt. Warum man nicht an den nächsten Tag denkt, sondern den Moment geniesst. Man hat sich heute zufällig hier getroffen und will die Stunden geniessen. Der Kopf ruht in seiner Nackenbeuge und man riecht dieses unglaubliche Aroma. Sonne, etwas Sonnenmilch, warme Haut. Dazu der leichte Geruch der französischen Luft.

 

Es wirkt alles so surreal, man verbietet sich zu denken, weil man Angst hat, dass das Nachdenken den Moment zerstören würde. Alles würde zerplatzen. Man würde erkennen, dass man am nächsten Tag wohl wieder Abschied nehmen wir müssen. Aber heute schafft man es. Man ist entspannt genug, so sehr den Moment zu geniessen, dass man ihn nicht zerdenkt. Und sich nicht wundert, dass man hier ist. Genau an diesem Ort. Mit diesem Mann. Mit dieser lebensbejahenden Einstellung.

 

In diesem Sinne: Vielleicht lügt Pierre Guillaume seine Kunden gar nicht an. Denn ja, er hat eine Oase geschaffen. Eine Oase vom Alltag. Einen Ort, an dem man abschalten kann. Wo man sich frei fühlt. Jung. Unbeschwert. Einen unaufdringlichen Ort, keinen auffallenden. Aber einen wunderschönen, an dem man sich wohlfühlt. Und der einem zeigt, was Schönheit bedeuten kann. Und Freiheit vermittelt.


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