Parfums de Marly


In Frankreich hegte man zur Zeit der Könige nicht nur eine Leidenschaft für Parfums, sondern auch für Pferde. So wurde etwa der Bildhauer Coustou vom Königshof beauftragt, für die Sommerresidenz in Marly-le-Roy Pferdestatuen herzustellen, welche heute als Meisterwerke der barocken Bildhauerei gelten und als Les Chevaux de Marly bekannt sind.

Die Marke "Parfums de Marly" vereint die Leidenschaft für Pferde mit der Leidenschaft für Parfums und setzt eine Hommage an die damalige Zeit, indem sie ihre edlen Kompositionen den verschiedenen Pferderassen widmet und diese auch - stilgerecht - in mit Pferden geschmückten Flakons präsentiert.


Oajan

Wenn man wissen will, wie der Duft riecht, ist es eine Möglichkeit, Ambre Narguilé von Hermès zu testen, sich dann diesen Duft ein wenig schöner und ausbalancierter sowie hinterlegt mit einer angenehm-rauchig-dunklen Note, die aber nie zu vordergründig wird, vorzustellen.

Wenn nicht, dann hier eine Kurzbeschreibung: Oajan ist ein wundervoller Gourmand. Man bekommt geboten, was die Duftpyramide ankündigt. Dickflüssiger, goldener Honig, warmer Zimt, Amber, ein Hauch von Osmanthus, Vanille, Tonka und diverse Harze. Nach welcher Süßigkeit es riecht, ist schwer auszumachen. Ein wenig kandiertes Obst, Apfelkompott, orientalische Leckereien (Baklava, Datteln, Halva,...) , italienische Amaretti. Egal, was genau - es ist einfach köstlich!

 

Jedoch wird es nicht unerträglich süß, sondern im Hintergrund ist eine dunklere Note, die alles bändigt.

 

Den Auftakt hat noch nicht die ganze Kraft des Duftes, gegen Ende wird er etwas dunkler und tiefer.

Hier wurde ein Gourmand erschaffen, der tatsächlich erwachsen wirkt. Man fühlt sich zwar an den Weihnachtsmarkt erinnert, doch riecht er nicht genau so penetrant wie jener. Oajan ist einer der Düfte, die mich vergessen lassen, dass ich manchmal zweifle, ob ich Gourmands mag oder nicht. Oajan ist einer der süßen Düfte, die ich liebe, nicht als unangenehm oder störend empfinde. Oajan ist einer der süßen Düfte, die mir nicht nach einer Weile auf die Nerven gehen, sondern bleibt immer spannend, immer doppelschichtig.

Meine Einschätzung: Eindeutig Unisex, für Jüngere problemlos tragbar, sollte unbedingt von Fans von Ambre Narguilé getestet werden, für mich der schönere Duftzwilling. Sillage ist nicht gering, Haltbarkeit großartig.

Ein wenig Selbstbewusstsein kann bei diesem Duft nicht schaden, doch wenn dieses vorhanden ist, ist Oajan ein wundervoller Begleiter für die kühle Jahreszeit. Opulent, süß, ein wenig fordernd, ein wenig überbordend, verführerisch und sinnlich. Mag ich, passt zu mir, einfach schön und anders.

 

Pegasus

Pegasus. Ein geflügeltes Pferd.
 
Verdrängen wir jetzt einmal alle kindlichen, rosaroten Fantasien. Mädchen, die beim Gedanken an ein solches zu strahlen beginnen und ganz begeistert sind. Gehen wir doch lieber direkt in die Mythologie, da ist dieses Pferd nämlich nicht eine Fantasie für pony-verrückte Kinder.
 
Medusa wird der Kopf abgeschlagen und aus diesem entspringt Pegasus. Manche meinen auch, dass Pegasus jener Stelle der Erde entsprungen sei, auf welche Medusas Blut tropfte. Egal, welcher Variante wir anhängen wollen, Fakt ist, dass Pegasus ein Pferd ist, welches durch den Tod der Medusa - von Perseus verursacht - entstanden ist.
 
Wir haben also ein männliches Wesen, welches einem weiblichen entspringt.
Wozu diese Einleitung?

In der Marly-Reihe findet sich ein schickes Parfum. Oajan. Diesem schlagen wir nun auch den Kopf ab und, etwas übereifrig, noch einen Teil der Herznote. Somit bleiben uns nur noch eine unversehrte Basis und Bruchstücke der Herznote. Wenn wir wollen, dann können wir auch Ambre Naguilé von Hermès den Kopf abschlagen und erhalten dasselbe: eine schön ambratisch-süßliche Basis mit Anklängen von Vanille. Aus diesen Fragmenten bauen wir nun ein eher männlich anmutendes Parfum.
 
Daher: Etwas Typisches für die Kopfnote muss her. Da passt doch Bergamotte gut. Noch einen Hauch von Kreuzkümmel, kann ja nie schaden.
 
Die Herznote wird schon mühsamer. Schließlich braucht man da etwas, das einen schönen Übergang zur Basis schaffen kann und mit jener harmoniert. Gleichzeitig will man ja etwas eher Männliches schaffen.

Lavendel - das passt auf alle Fälle. Doch dieser sollte ja ein wenig lieblicher werden, also kommt noch Mandel dazu. Mandel harmoniert sicher gut mit den Elementen der Basis. Bittermandel, damit es nicht zu sehr an Essen und Marzipan erinnert. Leicht bitter, aber doch schon süßlich.
 
Und ja, die Basis haben wir ja schon. Da passt all dies perfekt darauf.
 
Wir haben es jetzt also geschafft: Das geköpfte Wesen hat eine Gestalt. Nun drehen wir die Süße des Parfums noch ein wenig herunter. Machen es ein bisschen leiser, achten darauf, dass es nicht so leicht überdosiert werden kann.
 
Doch irgendetwas hat nicht so recht geklappt. Es finden sich zwar ganz klar Noten, die man Herrendüften zuordnen würde, doch scheint immer wieder die weibliche Seite durch. Das Parfum kann seine Herkunft nicht vermeiden.

Ist doch egal: Pegasus ist auch männlich, wird jedoch gleichermaßen von Jungs (ein geflügeltes Kampfpferd) und Mädchen (Ponyersatz) verehrt. Also haben wir auch hier ein Herrenparfum, welches Herren (eindeutig männliche Elemente und die Marketingkampagne versichert auch, dass es männlich ist) und Damen (das riecht so lieblich und kuschelig an mir) schätzen. Zudem noch großartig gemacht, hervorragende Qualität. Was kann man (und frau) sich mehr wünschen?

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