Profumum Roma


Gegründet von 4 Geschwistern aus Rom, ist Profumum Roma mittlerweile einer der grossen und bekannten Marken im Sektor der Nischen- und Luxusparfümerie. Die Düfte zeichnen sich durch eine sehr hohe Parfumkonzentration und somit durch eine sehr lange Haltbarkeit auf der Haut aus.

 

Vor allem das Einfangen der leckeren Süsswaren, welche die italienische Patisserie zu bieten hat, doch auch das Transportieren von italienischen Landstrichen, Urlaubsfeeling Dolce Vita haben dazu geführt, dass Profumum Roma eine grosse Fangemeinde aufweisen kann.


Confetto

Confetto ist wohl einer der ehrlichsten Düfte von Profumum Roma überhaupt, weil schon sein Name ganz genau verrät, wonach er riecht. Nach diversen Naschereien. Wirklich undefinierbar, einfach eine Wolke, wie sie über einer Unmenge an Konfekt und Süsszeugs schwebt. Süss, klebrig, lecker und gleichzeitig schon irgendwie viel zu viel.

 

Beschäftigt man sich mit Confetto, so hat man vor allem zwei Probleme:

  a) Man kommt an der Aussage «Es riecht wie Hypnotic Poison!» nicht vorbei.

  b) Will man so riechen?

 

Erst einmal zu a). Klar, Hypnotic Poison ist ein Duft, dessen Stellung im Rahmen der Parfumgeschichte man zwar anerkennen muss. Jedoch ist es auch ein Parfum, nach dem man nicht so unbedingt riechen will, eben da er nicht den besten bzw seriösesten Ruf hat. Vor allem aber ist es ein Duft, mit dem man als Liebhaberin von Parfums nicht immer gerne in Verbindung gebracht werden möchte.

 

Leider muss man anerkennen, dass diese Verbindung nicht von der Hand zu weisen ist. Eine gewisse Grundstruktur ist schon vorhanden, die einander sehr ähnelt. Doch glücklicherweise gibt es auch einen grossen Unterschied: Während Hypnotic Poison ernst gemeint ist und ich mit ihm das Gefühl habe, dass ich mit damit unbedingt sexy fühlen muss (was aber nicht klappt), ist dies bei Confetto nicht der Fall. Hier gibt es so eine Überdosis Mandel mit Vanille und etwas Anis, dass ich nicht anders kann, als ihn nicht ernst zu nehmen und Spass zu haben.

 

Confetto lässt sich perfekt als ein klares «Ich rieche süss, aber will dabei nicht auf verführerisch machen»-Statement gerochen werden. Denn es ist keine nasenbetörende Wolke aus Vanille, die alle Gehirnregionen des Gegenübers benebeln und ihn somit um den Verstand bringen soll. Es ist vielmehr ein «Ich bin gerade in einen Kindergeburtstag geraten und in das dortige Süssigkeiten-Buffet gefallen.» Somit ist das Hypnotic Poison-Problem gelöst. Zwar ähnliche Struktur, aber ganz andere Aussage.

 

Bei b) ist es schon etwas schwieriger. Denn wie oben schon erwähnt, man riecht man einer Überdosis an Süssem bzw nach einem Süssigkeiten-Buffet, welches den reinsten Kindertraum darstellt. Ob man nun als solches herumlaufen will, ist klarerweise mehr als fraglich. An heissen Tagen kann ich diese Frage ganz klar mit einem «NEIN!» beantworten. Dafür dankt mir meine Umwelt übrigens auch sehr.

 

An kalten Tagen ist all dies schon deutlich schwerer zu beantworten. Denn ich will immer noch nicht nach einer Überdosis an Naschereien und somit schon fast nach Karies riechen, doch ist es ein tolles Statement. Statt Statement-Ketten, die einige Zeit so in Mode waren, eben ein Statement-Parfum.

 

Gut, ich will nicht jeden Tag mit einem Statement-Parfum durch die Gegend laufen, aber manchmal passt es einfach. Sich auf eine sehr raffinierte Art und Weise aus dem Geflecht von all den Vorstellungen, wie man denn riechen sollte, zu lösen. Die Nasen der Gegenüber herauszufordern, da sie nicht wissen, ob sie diese Wolke nun mit den klassischen verführerischen Damenparfums verknüpfen sollen oder eher doch mit einer Nascheskapade.

 

Eben da es sich so gut als Statement-Parfum eignet, ist es an Männern sogar noch schöner als an Frauen. Denn wie sagt man besser «Ist mir egal, was ihr denkt, ich trage heute einfach einmal etwas, das mir Spass macht.» Einzig aufpassen sollte man angesichts der Haltbarkeit, denn diese ist gewaltig. Somit: Wirklich nur aufsprühen, wenn man ein Statement setzen will – und zwar den ganzen Tag über.

 

Vanitas

Es gibt Parfums, in welche man sich gleich verliebt. Und auch solche, für welche man mehrere Anläufe braucht, um dann aber noch umso heftiger von ihnen verzaubert zu werden. Vanitas fällt für mich definitiv in die zweite Kategorie.

 

In den Anfangszeiten, als ich eben erst begann, mich mehr mit Parfums auseinanderzusetzen, stiess ich auf den Namen «Vanitas» und war begeistert. Das Motiv der Eitelkeit, verbunden mit Tod. Die Vergänglichkeit, die allem innewohnt. Vor meinem inneren Auge erschienen die verschiedenen Stillleben, in welchen das Vanitas-Motiv so schön umgesetzt ist. Barocke Szenerien und Todesmotive, einfach alles. Eigentlich schien es mir ganz klar – dieser Duft musste doch einfach perfekt für mich sein.

 

Was ich damals noch nicht wusste, war, dass Profumum Roma bekannt, berühmt oder gar berüchtigt für Gourmands ist, die keinen wirklichen Duftverlauf aufweisen. Beim ersten Aufsprühen war ich dementsprechend schockiert. DAS sollte etwas mit Tod und Vergänglichkeit zu tun haben? Für mich hatte es nur mit einem zu tun: Süssigkeiten. Konkret musste ich an die Duplo-Schokoriegel denken. Somit war für mich damals klar: Vanitas riecht nach Duplo-Schokoriegel. Und solange ich nicht das dringende Bedürfnis verspüre, nach Duplo-Schokoriegeln riechen zu wollen, werde ich Vanitas nicht tragen.

 

Dafür war es einmal für lange Zeit gut. Jedenfalls fast. Irgendwie warf ich immer wieder in den Parfümerien Blicke auf Vanitas, eben weil ich es nicht glauben konnte, dass ein Duft mit einem für mich so ansprechenden Namen nichts für mich sein sollte. Aber einfach einmal wieder aufsprühen? Bei der gewaltigen Haltbarkeit und Sillage kein so einfaches Unterfangen, denn wenn er nicht gefallen sollte, bekommt man ihn nur schwer wieder von der Haut. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Also aufgesprüht und – ja, schon süss, aber da ist noch etwas. Nicht nur Vanille mit etwas Orangenblüte, sondern auch Myrrhe. Hatte durchaus etwas, aber war kein Muss.

 

Dann kam ein Tipp: Ein Sprüher Vanitas und das gelayert mit Molecule 01. Angeblich eine perfekte Kombination und eine Kombination, die garantiert Komplimente bringt. Solch ein Wunder muss man doch einfach probieren.

 

Wenn ich von solchen Wundern höre, bin ich meist erst eher skeptisch, aber ich konnte hier das Wunder selbst erfahren. Ja, Vanitas und Molecule 01 führt zu Komplimenten von Männern, und das nicht knapp. Nach ein paar Tagen mit dieser Kombination hatte ich mich schon deutlich mehr mit dem Duft auseinandergesetzt und plötzlich schien es mir gar kein Problem, ihn auch «pur», dh ungelayert, zu tragen. Denn ich hatte erkannt, dass da nicht nur die Süsse ist, die man gleich zu Beginn ganz stark merkt, sondern viel mehr. Nur neigt man dazu, dies gar nicht gebührend wahrzunehmen, eben da der erste Eindruck einen so sehr flasht. Hinter dieser opulenten Inszenierung von Vanille und Orangenblüte ist eine tragisch-schöne Myrrhe und ein Hauch

von Weihrauch.

 

Und ja, der Name ist perfekt, wie ich jetzt eingestehen muss. Hinter einer barocken Fassade, die das Süsse in so einem Überschwang inszeniert, wie man sie noch kaum gesehen hat, lauert das Tragische, stets präsent. Mal wird es stärker durch den inszenierten Überschwang überdeckt, mal macht es sich stärker bemerkbar. Eine bessere Erinnerung an das Vanitas-Motiv und eine gelungenere Inszenierung von der Spannung zwischen überbordendem Lebensgenuss und dem allgegenwärtigen Tod kann es, wie ich mir eingestehen muss, kaum geben. Und somit weiss ich jetzt, dass all meine ersten Assoziationen korrekt waren – und Vanitas wirklich ein ideales Parfum für mich ist.