Richard Lüscher Britos


Die Leidenschaft für Reisen sowie die Leidenschaft für Düfte eint die drei Jugendfreunde Malvin Richard, Lukas Lüscher und Serena Britos. Gemeinsam bereisten sie Landstriche, die durch einzigartige und unverwechselbare Duftwelten charakterisiert sind. Auf einer dieser Reisen beschlossen sie, eben diese faszinierenden natürlichen Duftkunstwerke in Parfums festzuhalten.

 

Dazu verwenden sie nur natürliche Inhaltsstoffe, wobei jedes Parfum von einer in jenem Duft-Terroir sehr prominenten olfaktorischen geprägt ist. Besonders positiv fällt auf, dass Augenmerk darauf gelegt wird, fairen Handel zu treiben, was in einer engen Zusammenarbeit mit Bauern vor Ort resultiert. Eben dadurch werden Parfums ermöglicht, welche nicht nur natürlich, sondern auch fair sind.

 

Traditionelles Parfumhandwerk, Naturverbundenheit und Fernweh – verpackt in Flakons.


04°N 74°W

(Copyright Richard Lüscher Britos)
(Copyright Richard Lüscher Britos)

Mit Richard Lüscher Britos wird man immer auf eine Reise geschickt. Diesmal soll es nach Kolumbien gehen. Ob ich dort ankomme, dessen bin ich mir nicht sicher. Denn ja, natürlich rieche ich zu Beginn die Gardenie. Eine sehr schöne und überraschend unverstaubte Gardenie wohlgemerkt. Und ja, dann bin ich auch auf einer Blumenplantage, bin von der Pracht der Blüten überwältigt. Staune über die Vielfalt. Auch lande ich dann schlussendlich - wenngleich nur noch sehr hautnah wahrnehmbar - in einem typisch kolumbianischen Kaffeehaus mit Musik und Gerede. All dies geht schon auf und genau dieser Film kann vor dem inneren Auge entstehen.

 

Doch viel mehr als eine Reise nach Kolumbien und das Erleben der Landschaft dort ist der Duft der Besuch einer Salsabar, die auch gerne in Europa sein kann.

 

Geht man als Mitteleuropäerin in eine kleine, typisch südamerikanische Salsabar, so trägt man zwar meistens einen passenden und nicht zu eng geschnittenen Rock, auch Schuhe mit mittelhohen Absätzen, die bequem sind, aber man neigt dazu, das Outfit mit einer Bluse zu komplettieren, eben da für Tanzen häufig Rock und Bluse zu wählen sind.

 

Steht man nun in schwarzem Rock und weisser Bluse dort, so merkt man, dass man im Vergleich zu anderen relativ förmlich gekleidet ist. Am liebsten möchte man sich schon wieder leise zur Tür hinausschleichen, da man sich ein wenig zu steif vorkommt, doch gleichzeitig fasziniert einen das Treiben auf der Tanzfläche so sehr, dass man nicht gehen kann. Die Bewegungen, die perfekte Abstimmung der Tänzer aufeinander, die Leidenschaft.

 

Man wirkt zwar durchaus hübsch, hat eine gewisse Ausstrahlung, doch ist da auch eine Zurückhaltung, eine gewisse fast altmodisch wirkende Attitüde, die einem umgibt. Man wirkt noch brav, rein und sich seiner selbst nicht ganz bewusst. Und eben in dem doch gleichzeitig wunderschön.

 

Wird man dann zum Tanzen aufgefordert, geht man eher in Trance mit, als es wirklich bewusst zu tun. Schon bald merkt man, dass die Schritte, die man brav gelernt hat, hier viel stärker variiert werden. Je mehr man sich auf die Schritte konzentriert, umso schwerer fällt der Tanz. Je mehr man sich jedoch der Musik hingibt, je mehr man den Bewegungen des anderen folgt, desto leichter geht alles. Man geht in der Musik, im Rhythmus und in den Bewegungen auf.

 

Man blüht auf, zeigt mehr Facetten von sich, lässt sich gehen, fühlt die Musik, fühlt die Leidenschaft. Man öffnet sich, geniesst die verschiedenen Rhythmen, geniesst die Vielfalt, lässt sich zu Bewegungen hinreissen, die ganz neu für einen sind, doch sich so richtig anfühlen.

 

Nach einer Weile merkt man, wie sehr man sich verändert hat. Viel lockerer ist man geworden, aber auch erhitzt. An der Bar kühlt man sich mit etwas Wasser ab, nimmt aber gleichzeitig auch Kaffee. Das ist es, wo der letzte Teil des Abends beginnt. Viel intimer als die übrigen, nur noch nahe an der Haut zu riechen. Man tanzt wieder. Vergisst, dass andere zusehen. Oder sehen sie überhaupt noch zu? Gerät ins Schwitzen. Die Bluse klebt auf der Haut, hat die züchtige Attitüde verloren. Die Wangen sind gerötet, glühen von der Hitze und dem, was man erlebt hat. Die Bewegungen werden immer weicher, es gibt noch mehr Hautkontakt. Bewegungen zwischen Tanz und Zärtlichkeit.

 

All dies gehört nur einem selbst und dem Gegenüber. Dann ein Fade-Out, das das Ende offen lässt. Das einem mit dem Duft der eigenen Haut zurücklässt, über der nur noch ein Hauch dieser Lebensfreude und Leidenschaft hängt. Und eben damit perfekt den Duft fortführt.

 

46°N 08°E

(Copyright Richard Lüscher Britos)
(Copyright Richard Lüscher Britos)

Mit 46°N 08°E wird keine weite Reise unternommen, sondern man bleibt in der Schweiz, im Kanton Wallis. Berge, Täler, Wälder sind es, die hier olfaktorisch eingefangen werden. Im Zentrum steht die Arve mit ihrem Holz, doch auch andere typische Noten für das raue Klima in den Bergen, dem doch so viele Pflanzen erfolgreich trotzen, sind zu finden.

 

Besonders bei diesem Duft ist für mich das Konzept, das Parfum auf ein Foulard zu sprühen, welches man dann auch wieder ablegen kann, sehr stimmig und ich habe eines meiner Foulards nun auch für dieses Parfum verwendet. Denn ich weiss nicht, ob ich wirklich viele Stunden lang nach diesem Parfum riechen möchte. Aber ich weiss ganz genau, dass es ein Duft ist, an dem ich unglaublich gerne rieche.

 

Für mich sind es zwei Aspekte, die dazu führen, dass meine Nase an meinem damit eingesprühten Foulard hängt.

 

Einerseits ist es das Einfangen des Moment, in welchem man im Hochsommer einen Wald betritt. Man ist in den Bergen wandern. Zwar ist es nicht so heiss wie im Tal, aber doch ist es sehr warm. Die Sonne scheint vom Himmel und das Weg bislang war kaum schattig. Nun endlich betritt man den Wald. Man fühlt die Abkühlung, die die Bäume bieten. Die Luft ist auch nicht mehr so trocken von der Sonne, sondern ein wenig angenehmer. Wenn man einatmet, riecht man den Duft der Bäume. Den Duft von frisch geschnittenem Holz. Es ist ein Moment, in welchem man sich unglaublich frei fühlt. Als

wäre einem eine Last von den Schultern gefallen.

 

Kurz schliesst man die Augen, legt den Kopf leicht in den Nacken. Atmet noch einmal tief durch die Nase ein, geniesst den unvergleichlichen Geruch des Waldes. Das Arvenholz hier. Die zarten grünen Aspekte. Den Duft von noch nicht trockenem Holz. Um dann weiterzugehen. Mit neuer Energie. Die Mühen der Tour in der Sonne bereits vergessen. Sich im Wald und seinem Schatten geborgen fühlend. Die Sicherheit, die einem der Wald manchmal geben kann. Dass er einen umfängt, dass man sich in ihm nie einsam fühlt, wenn man dies nicht will.

 

Andererseits ist es die Zeit im Winter, in welcher man ganz nahe am Cheminée sitzt. Heizt man mit Holz, so ist dies ein ganz anderes Erlebnis, als jegliche andere Art von Heizen bieten kann. Es ist ein Erlebnis, das alle Sinne anspricht. Man hört das Knistern und alleine dies lässt alles schon viel wärmer erscheinen. Man fühlt, wie sich die Wärme ausbreitet. Eine sehr umfangende Wärme, viel wärmer, als man es von einer normalen Heizung gewohnt ist. Und man riecht das Holz im Kamin. Wie es langsam verbrennt. Wie die leicht harzigen Stellen, die es noch hatte, ebenfalls verbrennen. Wie es seinen unverkennbaren rauchigen, aber doch so angenehmen Geruch freigibt. Wie es dieser Geruch ist, der es auch schon wärmer erscheinen lässt, auch wenn es noch gar nicht wirklich der Fall ist.

 

Hat man bereits eine Weile eingeheizt und sich aufgewärmt, so ist es wunderschön, es sich mit einem Buch und einer Tasse heisser Schoggi oder Tee gemütlich zu machen. Im Hintergrund hört man immer noch das Knistern vom Feuer. Man riecht das Holz. Man fühlt sich so wohlig warm und geborgen. Das ist einer der Momente, in welchem sich sogar ein ausgesprochener Hundefreund eine Katze wünscht, um sie bei sich am Schoss liegen zu haben und streicheln zu können.

 

Rieche ich dieses Parfum, fühle ich mich zu Hause. Ganz egal, wo ich bin. Und ein schöneres Gefühl kann es kaum geben.


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