Sentifique

Eine Duftkollektion aus Zürich, die Luxus vermitteln will, aber gleichzeitig auch ungewohnte Wege geht. Im Mittelpunkt sollen, wie es bei Parfum üblich sein sollte, „senteurs magnifiques“ stehen. Eben dies ist das Projekt, welches der Designer Friedemann Ramacher bereits im Jahr 2009 ins Leben rief und den Namen „Sentifique“ prägte. 2012 konnte er schließlich auch die Düfte seiner Parfummarke präsentieren.

 

Damit ist es ihm gelungen, sein Konzept in die Tat umzusetzen: Düfte auf hohem Niveau, die man zuvor noch nie gerochen hatte und die auch keine klassischen Duftpyramiden aufweisen. Vielmehr das lineare Darstellen von Begierden, Emotionen, verrückten Fantasien – und den dazu assoziierten Gerüchen.

 

Die Entwürfe davon stammen vom Designer und Creative Director von Senitifique, Friedemann Ramacher, die Ausführung überließ er jungen Parfumeuren, denen er freie Hand ließ und keine Limits steckte. Somit konnten sie in Ruhe und mit hochwertigen Rohstoffen die Konzepte umsetzen.

 

Herausgekommen ist eine avantgardistisch-urbane Kollektion hochwertiger und vor allem einzigartiger Parfums, die aufgrund ihrer Linearität zwar bereits nach wenigen Minuten ihre Entwicklung durchlebt haben, aber deren Duftnoten immerzu changieren und somit spannend bleiben.

 


Daim Rouge

(Copyright F. Ramacher)
(Copyright F. Ramacher)

Daim Rouge, rotes Wildleder, ist der zweite Duft von Sentifique, welcher den Frauen gewidmet ist, doch diesmal der jungen Rebellin, in deren Wildheit auch ihre Erotik liegt. Man liest von Nikita, die als Vorbild gedient hat. Von Gefahr und Attraktivität, knallhartem Auftreten und einer ganz weiblichen Seite.

 

Und dieses Konzept wurde auch wirklich wunderbar in diesem Duft eingefangen. Da ist einmal die wilde, ungestüme Seite mit Wildleder, Patchouli und Moschus. Fast ein wenig abweisend, wären da nicht Honig und Kakao, die so lieblich wirken. Dann noch die Beeren, die einen so schönen jugendlichen Aspekt ins Spiel bringen. Dem Duft das Ernste, Erwachsene nehmen. Und über allem die Rose. Dominant. Ein wenig zu viel eigentlich, irgendwo zwischen genial und billig changierend. Mal denkt man, einen ganz klassischen, fast altmodischen Damenduft wahrzunehmen, dann wieder hat man das Gefühl, als wäre der Duft die reinste Provokation. Nicht dass er sich ständig ändern würde, denn wie alle Düfte von Sentifique ist er ganz linear, er ist nur nicht fassbar. So neuartig und unbekannt. Haltbarkeit ist top und Sillage auch eher stark - alles andere wäre unpassend, da eine Rebellin schliesslich auch gehört werden will.

 

Doch egal, wie gut es eingefangen wurde - immer, wenn ich den Duft aufsprühe, habe ich eine ganz andere Assoziation: Nach einer durchfeierten Nacht sitzt man mit einer Dose Red Bull in der Arbeit und obwohl man übermüdet ist, bekommt man das breite Grinsen, das den Erlebnissen der Nacht geschuldet ist, nicht von seinem Gesicht.

 

Am Abend zuvor hat man sich schick gemacht. Nein, eigentlich nicht schick gemacht, dafür war es zu viel. Man hat sich regelrecht aufgedonnert. Der Rock ein klein wenig zu kurz, die Absätze ein wenig zu hoch, der Lippenstift ein bisschen zu rot und die Augen ein bisschen zu dramatisch betont. So, dass nicht ganz klar ist - und man selbst es auch nicht mehr so genau sagen kann - , ob es Absicht oder Versehen war. Dazu dann noch ein Rosenparfum aufgetragen. Keine stilvolle Rose, sondern eine pralle, leicht billige Rose. Fast ein bisschen zu erwachsen oder gar altmodisch - aber dies fällt angesichts des übrigen Stylings nicht auf.

 

Dann stürzt man sich ins Nachtleben. Überlegt sich nicht, was andere von einem denken könnten, sondern macht, was einem gefällt. Tanzt, gibt sich der Musik hin, geniesst die Blicke der Männer. Der Geruch der Rose, der Schweiss auf der Haut, ein wenig zu viel Haarspray. Eine lange Nacht mit einem offenen Ende. Einfach einmal das Leben feiern und ganz Frau sein dürfen, auch wenn man sich wegen seiner Jugend vielleicht noch gar nicht so sicher ist, was dies denn bedeutet. Doch nach dieser Nacht wird man es vielleicht ein klein wenig besser wissen.

 

Jetzt sitzt man wieder an seinem Schreibtisch. Vor einem die Dose Red Bull. Nicht, dass man Energy Drinks generell toll fände, eigentlich mag man sie nicht wirklich, aber in dieser Situation helfen sie doch wunderbar, halbwegs wach zu werden, und sie passen irgendwie dazu. Man hat nur schnell geduscht und der Rosenduft ist nach wie vor präsent. Im Haar haben sich auch die anderen Gerüche der Nacht verfangen, die einen den ganzen Tag über begleiten werden. Vor einem liegt das Frühstück, das man in einer Bäckerei noch schnell gekauft hat. Irgendetwas Süsses. Nicht das Vernünftigste, um in so einen Tag zu starten, aber genau das, worauf man Lust hat - und etwas Vernünftiges würde auch so gar nicht passen.

 

Party

(Copyright F. Ramacher)
(Copyright F. Ramacher)

Wenn ein Zürcher Parfum-Haus, welches man der Nische zuordnen kann, ein Parfum namens "Party" auf den Markt bringt, dann darf man gespannt sein und sich auch viel erwarten. Was man sich jedoch nicht erwarten darf, ist, dass mit "Party" ein Parfum kreiert wurde, das sich gegen One Million, Hypnotic Poison, Spicebomb und Co durchsetzen kann, zu durchzechten Nächten passt und Disco-tauglich ist.

 

Party ist vielmehr ein sehr nischiges und avantgardistisches Parfum, welches ein Dufterlebnis bietet, das unkonventionell und unvergleichbar ist. Aldehyde, fruchtige Noten, leicht herbe Akzente, Zitrusschale. Dazu Magnolie, teils tiefgefroren, teils in voller Blüte. Außerdem noch Piment, pfefferartig, eine interessante Würze, die nicht zu den Blüten zu passen scheint, sich aber doch perfekt mit ihnen verbindet. Ein Geruchserlebnis,

das man nicht kennt, nicht einordnen kann, von welchem man auch nicht weiß, ob es nun künstlich oder natürlich riecht.

 

Eine großartige Entwicklung des Duftes ist nicht beabsichtigt - lediglich die Aldehyde werden ein wenig schwächer, Piment ein wenig stärker.

 

Eine sehr ästhetische Kreation, welche sich schwer fassen lässt, welche nicht wirklich ihre Noten preisgibt, vielmehr sie immer nur in Verbindung erkennen lässt, welche Lebensfreude und herbe sowie kühle Aspekte zugleich vermittelt.

 

Sillage ist mittelmäßig, Haltbarkeit gut genug, um eine Nacht zu überleben. Für mich eindeutig unisex. Nur bei wenigen anderen Kreationen sind die Ausdrücke "Nische" und "Avantgarde" so berechtigt wie bei Party.

 

Bei Abendveranstaltungen in der Künstler-Szene wäre "Party" wohl die perfekte Wahl. Ein klein wenig arty, auch irgendwie sophisticated, understatement und doch zugleich ein wenig hochnäsig. Auch für andere gehobene, wenngleich lockere Veranstaltungen am Abend, bei denen man sich jedoch nicht zu sehr gehen lassen darf. Freizeit, doch immer noch ein wenig reserviert.

 

Party ist ein Sommerduft, relativ leicht, doch unglaublich weit davon entfernt, beliebig zu riechen. Duschgel-Assoziationen stellen sich bei mir nicht ein. Party wirkt unbeschwert, duftet nach Süden, doch ohne die Lockerheit des dortigen Lebens erreichen zu können, sondern ein gewisses Lauern und eine gewisse Distanz transportiert. "Party" lässt den Träger interessant und weltoffen erscheinen, kein leichtes Opfer in der Nacht, doch dafür umso spannender.


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