Stéphane Humbert Lucas 777


Reisen in den Nahen Osten sowie viele dort geknüpfte Kontakte weckten die Leidenschaft von Stéphane Humbert Lucas für jene wunderschöne Gegend. Daher nutzte er, der Maler und Poet, sein Talent, um eben inspiriert davon Düfte zu kreieren, die diese Begeisterung für jene Region repräsentieren und gleichzeitig seine Leidenschaft für Kunst und das Aussergewöhnliche präsentieren.

 

In dieser Synästhesie von Parfum und anderen Künsten entstanden Parfums, welche eng verknüpft mit der Begeisterung für hochwertige Rohstoffe, die Faszination für Edelsteine, das Wissen um Traditionen sowie dem Blick für das Schöne an sich sind.


Khôl de Bahrein

(Copyright Stéphane Humbert Lucas 777)
(Copyright Stéphane Humbert Lucas 777)

Mit unserer europäischen Vorstellung von der arabischen Welt ist häufig ein Element verbunden – die mit schwarzem Kajal umrahmten Augen der Damen. Eben diesen bzw dem Kajal (Khôl) widmet sich auch ein Parfum von 777 Stéphane Humbert Lucas.

Während das Kajal-Thema bei Hind al Oud mit sanft-animalischem Moschus und sehr entspannend interpretiert wird, wurde hier ein anderer Weg gewählt. Amber, Harze und Iris sind die Hautakteure des Duftes.


Interessanterweise verweist das Marketing explizit nicht nur auf die Augen der Frauen der arabischen Welt bzw der orientalischen Fantasien, sondern auch auf Liz Taylor in ihrer Rolle als Kleopatra, welche ebenfalls unter anderem durch ihre dramatisch betonten Augen im Gedächtnis der Zuseher geblieben ist.

 

Trotz allem, so viel sei vorweggenommen, handelt es sich eindeutig um ein Unisex-Parfum mit großartiger Haltbarkeit und eher starker Sillage. Irgendwo zwischen orientalisch und europäischer Vorstellung vom Orient.

 

Die nicht näher definierten Gourmand-Noten zu Beginn äußern sich lediglich darin, dass eine nicht wirklich näher zu definierende Süße zu bemerken ist. Vielleicht ein wenig Karamell und ein Hauch von Nüssen. Jedoch riecht es zu keinem Zeitpunkt wirklich nach Essen, was wohl auch daran liegt, dass die Harze der Süße eine interessante Note geben und sie nicht beliebig werden lassen. Veilchen hat sich gut versteckt oder ist so perfekt eingebaut, dass man es nicht bemerkt.


Ganz klar wird der Duft von Amber, Harzen und Iris dominiert. Iris ist eher pudrig und sorgt für eine gewisse Distanz, wohingegen die Harze und auch Amber dafür sorgen, dass es lieblich und cremig erscheint. Sandelholz bietet die Basis, auf welcher sich dies abspielt.

Der Duftverlauf ist nicht überraschend, sondern eher linear. Die Noten der Basis sind auch weniger als solche explizit zu erriechen, sondern einfach stimmig eingebaut. Moschus ist nicht als solcher zu erkennen, sondern fügt sich in die Süße ein. Auch die balsamischen Noten sind eher der Ton, in welchen die Harze der Kopfnote nahtlos übergehen, als wirklich eine eigenständige Komponente zu sein.

 

Der Duft lebt wirklich aus dem Zusammenspiel von süß-lieblichem Amber/Harz/Balsam-Gemisch mit einer trockenen, distanzierten und spröden Iris. Aufgrund dieser Spannung der Duft zu keinem Zeitpunkt wirklich unbedingt verführerisch, aber doch immer reizvoll, eben da er nicht zu aufreizend duftet, sondern auch immer ein wenig zurückhaltend ist. Es ist nicht glatt und geschmeidig, sondern hat Ecken und Kanten. Doch nicht solche, die stören, sondern solche, die bewirken, dass etwas Interessant wird. Der Duft hat eben Charakter und ist nicht beliebig.

 

All dies passt wunderbar zu der als Inspiration angeführten Kleopatra. Nur wenige andere Frauengestalten können so gut als Projektionsfigur für Wünsche, Sehnsüchte und Fantasien dienen, wie es bei Kleopatra der Fall ist. Zeigen antike Darstellungen, dass sie eine Frau mit eher männlichen Gesichtszügen war, so sieht man sie im Lichte von Darstellungen diverser Maler und von Hollywood gerne als eine erotische und machthungrige Frau.

 

Als eben jene Hollywood-Kleopatra, doch deutlich vielfältiger ausgestaltet und schattierter präsentiert man hier Kleopatra, welche tatsächlich jener von Liz Taylor gespielten Rolle entspricht.


Sie ist sich bewusst, dass sie eine strahlende Königin ist und alle Macht besitzt. Doch mit großer Macht geht nicht nur große Verantwortung, sondern auch oft große Einsamkeit einher, wie auch in einem Filmzitat deutlich wird.

 

There are never enough hours in the days of a queen, and her nights have too many.

 

Sie ist sich ihrer Bedeutung für die Menschen bewusst und auch ihrer Stellung. Die mächtigen Männer, die sich ihr nähern, betrachtet sie nicht mit dem Respekt, den man von ihr erwarten würde. Vielmehr fühlt sie sich ihnen überlegen, ist sie schließlich göttlich und nicht nur von einer mühsam erdichteten göttlichen Herkunft:

 

I am worshipped by millions who believe it. You are not to confuse what I am with the so-called divine origin which every Roman general seems to acquire together with his shield. It was, uh, Venus you chose to be descended from, wasn't it?

 

Und, was leicht vergessen wird, Kleopatra war nicht nur eine verwöhnte Königin, die sich exzessiv der Schönheitspflege widmete, sondern auch intelligent. Sie wusste um die großen Leistungen, die ihr Volk hervorgebracht hatte – sowohl die Menschen der ägyptischen Kultur im eigentlichen Sinne als auch des Hellenismus. Und dieses Wissen war es, das für sie einen beträchtlichen und vor allem verehrenswürdigen Teil der Kultur ihres Volkes ausmachte. Eben dieses Wissen setzte sie höher als alles andere an, wie sie auch im Film klar äußert:

 

How DARE you and the rest of your barbarians set fire to my library? Play conqueror all you want, Mighty Caesar! Rape, murder, pillage thousands, even millions of human beings! But neither you nor any other barbarian has the right to destroy one human thought!

 

Auch wenn dies nur eine Hollywood-Interpretation von Kleopatras Leben ist und so manches den historischen Tatsachen nicht unbedingt entspricht, so muss man doch anerkennen, dass eine faszinierende und facettenreiche Frau dargestellt wird, die vor allem aus Zwiespälten zu bestehen scheint, doch diese gekonnt unter einen Hut bringt.

 

So viel harte und weiche Elemente, Einsamkeit und Macht, Misstrauen, perfektes Auftreten und Selbstinszenierung, das Genießen und das Verzweifeln an der eigenen Göttlichkeit, Zerbrechlichkeit und Unerbitterlichkeit, Schönheit und Distanziertheit, Hoffen auf Nähe und vorgespielte Unverletzlichkeit. All dies findet man in Liz Taylors Interpretation von Kleopatra. Und all dies findet man auch in „Khôl de Bahreïn”.

 

2022 Generation - Homme

(Copyright Stéphane Humbert Lucas 777)
(Copyright Stéphane Humbert Lucas 777)

Für Momente, die man nie vergisst


Das „Homme“ kann nur versehentlich in den Parfumnamen gelangt sein. „2022 Generation – Homme“ ist eines der wunderschönsten Unisex-Parfums, die ich je testen konnte. Eines, das ich immer wieder gerne teste, das mich nicht loslässt, das ich jedoch auch nicht wirklich fassen kann.

Nun könnte man mich hinweisen, dass „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“ durchaus Gültigkeit besitzt. Da dies jedoch dem Verfassen eines Kommentars im Wege steht und ich der Meinung bin, dass solch ein Meisterwerk mit einem bedacht werden sollte, ignoriere ich Wittgensteins Weisheit.

Der Duft startet mit grünen, zitrischen Noten, ganz leicht bitter, ohne bissig zu sein, krautig, ohne zu grün zu werden und Johannisbeere. Überreife Johannisbeere, um genau zu sein. Frei von Zucker, ohne Obstsalat-Feeling. Eine der natürlichsten Johannisbeeren, die man sich vorstellen kann.


Schon bald kommt Oud hinzu, welches zwar dunkel und rauchig ist, doch aufgrund seiner nicht allzu großen Stärke den Duft nicht dominiert, sondern vielmehr die Noten der Kopfnote ergänzt. Später zeigen sich auch schön balsamische Noten, die den Duft nicht süß werden lassen, sondern vielmehr dazu beitragen, dass die Oud-Beeren-grüne Noten-Harmonie noch perfekter wird. Wärmende Gewürze, sanfte Hölzer und ein Amber-Feeling.


Kein Oud-Duft an sich, schon gar nicht ein klassischer Oud-Duft mit der Kombination Rose-Oud oder Safran-Oud. Vielmehr ein einmaliger Orientale von ausgezeichneter Haltbarkeit, zum Wesen des Duftes passender Sillage (weder zu stark noch zu dezent) und kitschiger, aber doch irgendwie schöner Verpackung.

 

Durchaus betörend, aber auch schwer fassbar. Wie ein Traum- oder Trugbild. Keine optische Schönheit, sondern eine unsichtbare Ausstrahlung, von der man sich nicht lösen kann. Von der man nicht bedeutet, ob sie Heil oder Verderben bringt, doch der man folgen muss.

 

Ein wenig evoziert das Parfum bei mir das Gefühl, das ich häufig beim Betrachten des Sternenhimmels empfinde. Das Gefühl, die Unendlichkeit wahrzunehmen. Sich seiner winzigen Größe bewusst zu werden, doch gleichzeitig sich geborgen und sich, wenn auch unscheinbar und unwichtig zu fühlen. Dieser Moment, in welchem man all das Wissen über das Universum, was man hat, vergisst und sich nur dem Spektakel hingibt. Zulässt, dass es einen überwältigt. Keine rationalen Gedanken mehr duldet, sondern nur Staunen und Bewunderung.

 

Das Gefühl von Momenten, in denen man nicht weiß, was man fühlen soll. Man ist gerührt oder betroffen, obwohl man es eigentlich besser weiß. Obwohl man sich alles erklären kann, aber dennoch in eben jenem Moment nur das Wundervolle wahrnehmen kann. Eine kleine Geste, die einen beinahe zum Weinen bringt, auch wenn man sich selbst dafür schämt und seine Emotionen eigentlich zügeln möchte.

 

Doch vor allem ist es das Parfum, das ich hoffe, in zumindest einem besonderen Moment meines Lebens zu tragen. Egal wann, egal wozu. Es ist einfach das Parfum für große Momente, einmalige Erlebnisse, wegweisende Sekunden, grenzenlose Emotionen.


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