XerJoff - Join the Club

Die „Join the Club“-Düfte von XerJoff präsentieren einen völlig neuen und anderen Zugang zu Parfum. Die Parfums evozieren die Atmosphäre von exklusiven Clubs und vor allem die Stimmung, die dem dort gefrönten, angenehmen Zeitvertreib gewidmet ist. Personen, die die gleichen Interessen oder die gleiche Leidenschaft teilen, sollen mithilfe eines Parfums diese heraufbeschwören können. Selbstverständlich kann der Duft auch als Wiedererkennungsmerkmal unter den Mitgliedern gelten.

 

Eben da es vor allem um Stimmungen und Emotionen geht, sind auch keine Duftpyramiden bekannt, sondern es werden lediglich Impressionen und Eindrücke geschildert, die den Duft charakterisieren sollen.

 

Mit jedem Parfum erwirbt man auch eine persönliche Mitgliedschaft in den virtuellen Clubräumen auf der Website der Marke. Dort findet man ausgewählte Inhalte und Angebote zur Thematik des jeweiligen Clubs.

 


Birdie

(Copyright: XerJoff)
(Copyright: XerJoff)

Katharine Hepburn und Howard Hughes

 

Golf, in unseren Breitengraden großteils als Sport der Reichen angesehen, kommt ursprünglich aus Schottland, kann auf eine lange Tradition zurückblicken und ist untrennbar mit Luxus verbunden. Neben dem sportlichen Ziel, den Ball mit möglichst wenigen Schlägen in ein Loch zu befördern, können auch die Zeit an der frischen Luft, die zu Fuß zurückgelegten Wege und die Zeit nach dem Spiel im Clubhaus als charakteristisch angesehen werden.

Abgeschiedene Plätze, endlose grüne Wiesen, ein schönes Clubhaus, höchste Konzentration, Exklusivität - all dies assoziiere ich und hoffe, es im Parfum vorzufinden. Da "Birdie" "ein Schlag unter Par" bedeutet - dh: ein Spielbahn wird mit einem Schlag weniger, als ein sehr guter Spieler durchschnittlich braucht, bewältigt -, erwarte ich mir auch, dass ein Glücksgefühl, welches dieses Erlebnis begleitet, vom Duft vermittelt wird. Soweit zur Theorie, nun zum Parfum selbst:

Die Kopfnote ist von Lavendel und Apfel, zu welchen Pfeffer hinzugefügt wurde, dominiert. Im Hintergrund riecht man grüne Noten und ein leicht aquatischer Touch lässt sich ausmachen. Ein wunderschönes Naturerlebnis, welches mich auf eine große, grüne Wiese befördert, wo ich mir die Sonne auf die Haut scheinen lasse und dem Rauschen der Wellen lausche. Hierbei muss ich betonen, wie großartig ich die Komposition der Wiese finde: Man glaubt nicht nur, das Gras zu riechen, sondern es offenbart sich die Wiese mit Gras, Kräutern und Erde - ein Naturerlebnis pur!

Dann bin ich erst einmal verwirrt, aber doch: Patchouli! Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Sehr fein, aber auch sehr ungeglättet. Patchouli mit Charakter: wirkt nicht rund, strahlt aber gleichzeitig eine natürliche Schönheit aus. So interpretiert kannte ich Patchouli noch nicht, aber ich muss sagen, ich bin beeindruckt.

Die schon bald durchschimmernde Basis offenbart sich mit dem Fortschreiten der Zeit immer besser und bald tritt sie aus dem verborgenen. Vetiver, einfach nur Vetiver. Zwar nur eine einzige Note, aber gleichzeitig eine sehr komplexe. Ein wenig rauchig, ganz leicht bitter, schön erdig, deutlich holzig und auch ein wenig balsamisch.

Sillage ist gut, aber nicht aufdringlich, Haltbarkeit unglaublich. Der Flakon ist, wie auch bei allen anderen aus dieser Reihe der Fall, überaus edel gestaltet.

 

Golf?


Nun, man muss nicht Golf spielen, um dieses Parfum zu mögen.Mit Golf verbinde ich das gelungene Einfangen einer Wiese und das Spiel mit Tradition und Moderne. Klassiker neu interpretiert oder teils einfach nur passend eingesetzt, eckiges Patchouli und wundervolles Vetiver - mehr kann man kaum wollen.


Ein Hauch von Exklusivität wird zweifelsohne vermittelt. Keine, die angeben will. Nein, man freut sich selbst am Luxus, protzt damit aber nicht. Man leistet sich etwas Schönes und fragt sich nicht, ob auch ja jeder merkt, wie exklusiv das Leben, welches man führt, ist.


Lediglich die Freude über das gelungene Spiel, die kann ich nicht herausriechen. Aber gut, vielleicht bewahrt man immer Contenance, um nicht überheblich zu wirken.

Mag er auch manchen Damen zu krautig und zu grün sein (Vetiver lässt grüßen), so ist bei Birdie die Klassifizierung als unisex zweifellos gerechtfertigt. Ganz klar ein Parfum, welches sich zu vielen Gelegenheiten - auch von Leuten, die nicht Golf spielen können - tragen lässt. Außerdem das Parfum von Katharine Hepburn und Howard Hughes – so und nicht anders riechen sie, zumindest im Film „The Aviator“. Da bin ich mir ganz sicher. Und eben sie sind es auch, die ich immer vor mir sehe, wenn ich „Birdie“ trage.

 

Comandante!

(Copyright: XerJoff)
(Copyright: XerJoff)

Die Parfums der Join the Club-Reihe von XerJoff erzählen Geschichten und entführen in exklusive Klubs, sie wollen Stimmungen erzeugen, Bilder vermitteln und zum Träumen anregen. Ziel ist keineswegs, Gerüche wiederzugeben, sondern Stimmungen zu transportieren.

Comandante! riecht daher nicht, wie es in einem Salon voller Zigarrenraucher riecht, sondern es soll das Gefühl des entspannten Rauchens einer Zigarre, des Genießens und der dabei empfundenen Ruhe vermittelt werden.

Tabak ist für mich wahrnehmbar, doch auch eine Vanillenote, die den Duft sehr sinnlich werden lässt. Jene zwei Komponenten bestimmen für mich auch das Parfum. Fruchtige Abklänge, ein Hauch von floralen Noten, der mal präsenter, mal lediglich zu erahnen ist. Ein Zimmer, in dem alte Lederfauteuils stehen, in dem die Zeit nach eigenen Regeln funktioniert, man alles vergessen kann. Sehr facettenreich, sehr abwechslungsreich. Sobald man glaubt, man hat eine Note „erwischt“, ist sie auch schon wieder weg. Man muss sich dem, was einem geboten wird, hingeben, muss es genießen, muss loslassen. All das kann man nicht kontrollieren, sondern nur mit sich geschehen lassen. Nicht klebrig-süß, nicht zu rauchig, nicht fruchtig und nicht blumig, sondern einfach schön und perfekt ausbalanciert.

Zweifelsohne riecht das Parfum nicht wie eine Zigarre, doch das Bild wird sehr wohl vermittelt. Kontemplation, Genuss, das Fühlen des Augenblicks, das Vergessen der Zeit, die Hingabe.

Haltbarkeit und Sillage sind gut, unisex, wenngleich auch eventuell nicht für Frauen, die der Meinung sind, dass Zigarren lediglich Männern vorbehalten sind. Raucher/in zu sein ist keine Pflicht, doch ist es hilfreich, die Fähigkeit zum Genuss zu besitzen, will man Commandante! tragen.

Mein größter Kritikpunkt ist jedoch die Namensgebung. Was um alles in der Welt hat man sich bei XerJoff gedacht, das Parfum nach einem Diktator zu benennen? Ein Parfum namens „Duce!“ würde wohl mehr Aufregung verursachen.


So gerne manche Personen das kubanische Regime verklärend darstellen, kann doch nicht übersehen werden, dass von jenem unsägliche Verbrechen begangen wurden. Dass der Name noch dazu an einen absolut grenzwertigen (um es höflich auszudrücken) Film von Oliver Stone erinnern, welcher Fidel Castro als Mensch zeigen will, dabei jedoch sämtliche von ihm begangenen Rechtsverletzungen ignoriert, macht es nur noch schlimmer.

Fazit: Gelungenes Parfum zu einem mehr als fairen Preis, eine Firma, die nicht nur „Wir sind Nische!“ schreit, sondern auch Nischenparfums liefert – doch leider eine absolut geschmackslose Namenswahl.

 

Ivory Route

(Copyright: XerJoff)
(Copyright: XerJoff)

Der Versprechen der Marketingkampagne ist wunderbar blumig formuliert: "Ivory Route ist ein Parfum und zugleich eine Landkarte der Gefühle. Jeder Ort ist gekennzeichnet durch eine Essenz, die sein Wesen in der olfaktorischen Erinnerung heraufbeschwört. Die Route beschreibt eine authentische und emotional intensive Reise, begleitet von einem hohen Level an Adrenalin."

Mit diesem Duft begibt man sich also in den Club der Abenteurer und Weltreisenden. Gut, eigentlich gehöre ich zu keiner der beiden Kategorien, doch gegen eine olfaktorische Reise entlang der Seidenstraße habe ich nichts einzuwenden.

Das Versprechen an den Träger ist "Ein Duft, ein Abenteuer". Gelingen soll dies durch eine würzige Kopfnote, welche das Unbekannte repräsentiert, eine würzig-warme Herznote, welche für den Nervenkitzel steht, und schließlich eine erdige Basis, welche für das bestandene Abenteuer beziehungsweise ein Gefühl zwischen Erleichterung, Freude und Erschöpfung steht.

Sogleich nach dem Aufsprühen macht sich der Pfeffer bemerkbar. Basilikum, welches angeblich zu riechen sein soll, nehme ich nur als grüne Note wahr. Die Kopfnote kann ich bei "normalen" Temperaturen relativ lange wahrnehmen, an heißen Tagen verflüchtigt sie sich sehr schnell. Danach übernehmen die Gewürze ganz klar den Duft, wobei sie alle grünen Komponenten verdrängen und mich an Gewürzteemischungen erinnern (jedoch im positiven Sinne). Diese warme Stimmung hält lange an. Unglaublich lange. Erst nach Stunden kann man die Hölzer etwas mehr als nur erahnen. Die Gewürze weichen langsam, sehr langsam, doch die Hölzer, die dann auftreten, halten noch länger. Noch am nächsten Tag kann man ihre Spuren riechen. Zwar sind es nur noch Schemen, doch sie erinnern doch an die zuvor unternommene Expedition.

Die Reise, die ich rieche, nimmt den Anfang auf einem Basar, führt durch die Wüste mit Rast in Beduinenzelten und endet in einem feinen Hotel, in welchem man sich von all den Strapazen erholen und lächelnd auf die vergangenen Mühen zurückblicken kann. Erleichtert einerseits, dass alles gut gegangen ist, andererseits auch wehmütig, da es vorbei ist.

Die Haltbarkeit ist, wie schon erwähnt, großartig, und man sollte den Duft nur sorgsam dosiert einsetzen.

Überraschend für mich war, dass Ivory Route kein Duft für warme Tage ist (wie ich es aufgrund des Namens erwartet hätte), sondern ich ihn für die kühlere Jahreszeit empfehlen würde. An heißen Tagen erschlagenen einen die vielen Gewürze beinahe und das Wüstenfeeling lässt die tatsächliche Hitze noch schlimmer erscheinen.

Fazit: Für kühle Tage eine spannende Option, eine kurze Reise durch fremde Gefilde. Ich werde ihn sicher im Winter an ein oder zwei Tagen tragen, um das Pröbchen auszukosten, doch in meine Sammlung wird er es nicht schaffen. Ich habe mich einfach nicht in ihn verliebt. Zweifellos, er ist gut gemacht, doch aus dieser würzigen Richtung gibt es so viele tolle Düfte, die viel bessere Chancen haben, einmal bei mir einziehen zu dürfen.

Dennoch: Unbedingt testen! Ein Erlebnis ist er auf jeden Fall! Und wer weiß, vielleicht passt er ja wirklich besser zu wahren Abenteurern und Weltreisenden als zu mir. Schließlich bin ich als bibliophile Person dem zu mir passenden Club - "More than words" - schon beigetreten.

 

Marquee

(Copyright: XerJoff)
(Copyright: XerJoff)

Mit "Marquee" bleibt XerJoff marketingtechnisch seinem "Join the Club"-Konzept treu. Mit blumigen Worten wird versprochen, dass man sich mit Marquee ins Theater und hinter dessen Kulissen begeben darf.

Daher wird er schnell aufgesprüht und: Theater, ich komme!

Zu Beginn machen sich auf meiner Haut erst fruchtige Noten breit, die jedoch schon einen pudrigen Untergrund haben. Nach und nach macht sich die Rose bemerkbar. Doch in diesem Parfum ist sie nicht die Hauptakteurin, ja nicht einmal die Königin der Blumen. Veilchen und Jasmin behaupten sich neben ihr und bilden mit der Rose ein gleichberechtigtes Dreiergespann an Blüten, welches sich unglaublich weich präsentiert. Trotzdem ist der Duft - wie bereits von Labormaus beschrieben - kein floraler Duft. Dazu sind die pudrigen Noten viel zu präsent. Eine leicht herbe Note ist in der Basisnote zu erahnen, aber sie wird auch erfolgreich zugepudert. Eben dieser Linie bleibt "Marquee" über viele Stunden treu.

Flakon: Ein blauer Kristall, der mit Gold gekrönt ist. Dazu ein Schriftzug, der an Zirkus erinnert. Finde ich großartig!

Sillage: Man sollte mit der Dosierung aufpassen. "Marquee" mag zwar sehr pudrig sein, aber man soll nicht sein gesamtes Umfeld einpudern.

Haltbarkeit: Wie von XerJoff zu erwarten: SEHR gut

Theater? Schnuppere ich an meinem Handgelenk und denke an das Theater, so kommen mir nur riesige rosa Puderquasten in den Sinn. Das andere Treiben hinter den Kulissen kann ich nicht riechen. Möglicherweise ein paar Kostüme, die man mit zu viel Weichspüler behandelt hat und daher noch immer danach riechen, aber das war's dann auch schon.

Mein Fazit zu den "weichgespülten Blüten":

Meine Geldbörse mag den Duft sehr gerne. Sie weiß genau, dass er mich nicht in Verführung führen kann und will. Er ruft mir nicht mit lauter Stimme "Kauf mich! Wir gehören zusammen!" zu.

Etwas Negatives lässt sich über den Duft nicht sagen, aber dennoch bin ich enttäuscht. Er ist geradlinig, pudrig, angenehm zu tragen, aber keine Offenbarung, wie so manch anderer von XerJoff. Mag man auch einwenden, dass er für einen pudrigen Duft überraschend klar oder für so viele Blütenbestandteile überraschend unfloral ist, so ist er meiner Meinung nach einfach zu gefällig und angepasst. Gerade dies hätte ich von einem Parfum, welches für die Welt des Theaters stehen soll, nicht erwartet.

Wer jedoch ein Faible für pudrige, liebe und geradlinige Düfte hat, der wird mit "Marquee" sicher glücklich werden. In diesem Sinne: "Marquee" ist wohl der ideale Duft für diejenigen, denen andere "Join the Club"-Parfums bisher zu extrem waren.

 

Shunkoin

(Copyright: XerJoff)
(Copyright: XerJoff)

Eigentlich mag ich keine süßen, allzu blumigen, pudrigen und lieblichen Düfte. "Zuckerbombe" und "liebliches Rosa" lösen in mir eigentlich Fluchtreflexe aus. Und daher dürfte mir Shunkoin eigentlich auch nicht wirklich gefallen. Eigentlich.

Aber: Ich habe Shunkoin getestet, ohne zu wissen, was auf mich zukommt – und war positiv überrascht. Sooo lieb und doch gleichzeitig sooo schön.

Zu Beginn ein bisschen etwas "Umfeldwissen": Shunko-in ist ein Tempel in Kyoto und namensgebend für den Duft. Der Duft ist Teil der "More than words"-Reihe von XerJoff und wird auf der Website wie folgt beworben "Shunkoin: drops of meditated mysticism together in one unique perfume." Außerdem: Meditation und Teezeremonie. Stille, Einkehr, Glück. Ist ja fast schon zu schön, um wahr zu sein. Für Leute meines Duftgeschmacks auch fast zu lieblich-klingend, um gefallen zu können. Glücklicherweise nur fast.

Zu Beginn präsentiert sich ein cremiges, süßliches Weiß, über dem jedoch eine bittere Note schwebt. Nach und nach offenbart sich tatsächlich der Geruch von Teeblättern, der meisterhaft getroffen ist. Pudrig-süß geht es weiter, Vanille und Iris sind zu erkennen, der Rest schwer zu identifizieren. Doch: Mich stört die Süße nicht, da darüber noch eine rauchige Note, ich tippe auf Weihrauch, liegt. Diese hält die Süße schön in Schach und der Duft ist stets sehr ausbalanciert.


Der Duftverlauf ist ohne große Veränderung, schön harmonisch und birgt keine Überraschungen.

Die Haltbarkeit ist gewaltig, die Sillage eher mittelmäßig.

Themenverfehlung? Ein viel zu süßes und kitschiges Japan? Ich behaupte nein! Erst einmal ist er ist ohne Ecken und Kanten, doch auch nicht erschlagend süß, da die Süße erst vom bitteren Geruch des Tees und dann vom Weihrauch im Schach gehalten wird - Harmonie pur!


Außerdem kann man in ein schön cremiges Weiß gehüllt mit ihm von der Teezeremonie in den Tempel gehen, ohne dass die Grundstimmung auch nur ein klein wenig aufgewühlt wird.

Warum nur mag ich ihn? Warum ich, die sonst nichts Nettes und Rosafarbiges als Duft möchte? Weder empfinde ich ihn als "Zuckerbombe" noch als zu pudrig, sondern als ungemein ausgewogen. Auch die Kombination von Süße, die auf meiner Haut nicht zu dominant wird, mit rauchigen Aromen gefällt mir überaus gut.


Somit kann ich nur empfehlen, sich nicht  abschrecken zu lassen, sondern ihn, auch wenn man normalerweise eine andere Richtung bevorzugt, immerhin zu testen.

 
Er kommt zwar nicht auf meine Wunschliste, da ich doch eigenwilligere Kreationen bevorzuge, aber sollte ich einmal nach einem herrlichen Kuschelduft suchen, der sich ohne Ecken und Kanten präsentiert und gleichzeitig eine unglaubliche Eleganz ausstrahlt, so wäre Shunkoin meine erste Wahl.


Kommentare: 0